Stottern kann wieder verschwinden, wie es aufgetaucht ist: Bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder ist dies auch der Fall. Bleibt die Störung jedoch während ein bis zwei Jahren bestehen, sollte eine Fachperson beigezogen und eine Therapie geprüft werden.

Achten Sie vorderhand darauf, die Störung nicht zu dramatisieren. Bleiben Sie gelassen und geduldig und üben Sie keinen Druck aus: Jeder Stress ist Gift für einen Stotterer. Sollte das Symptom nicht verschwinden, sprechen Sie mit dem Lehrer, dem Schulpsychologen oder mit einem Kindertherapeuten über das Problem.

Es ist uns kaum bewusst, wie kompliziert das Sprechen ist: Über 100 Muskeln müssen präzis koordiniert werden, um flüssiges Sprechen zu ermöglichen. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist von einer Sprachstörung betroffen; der Naturwissenschaftler Charles Darwin litt ebenso darunter wie die Schauspielerin Marylin Monroe, und auch Leinwandheld Bruce Willis stotterte in früheren Jahren.

Stottern ist leicht zu erkennen: Laute werden übermässig lange gedehnt, wiederholt oder bleiben wegen einer Blockade stecken. Die Betroffenen haben Angst, ausgelacht zu werden, fürchten sich vor dem Kontrollverlust beim Reden – und oft kommen Ärger und Frustration über das Misslingen hinzu. Schnell entwickelt sich daraus ein Teufelskreis: Der Stress der inneren Spannung verstärkt die Symptome – Angst und Wut werden noch grösser.

Die Gründe für das Stottern sind nicht abschliessend geklärt. Eine erbliche Veranlagung, die aber nicht zwingend zum Ausbruch der Störung führen muss, scheint eine Rolle zu spielen. Eine rein seelische Ursache wie beispielsweise verdrängte Wut halten Experten für unwahrscheinlich; verantwortlich ist eher eine übermässige Selbstbeobachtung beim Sprechen.

In der Therapie gibt es heute vor allem zwei Ansätze. Beim ersten geht es darum, «flüssig stottern» zu lernen: Das Stottern soll nicht beseitigt werden, sondern man übt, stressfrei damit umzugehen; das baut Druck ab und gelingt zum Teil so gut, dass einem Gesprächspartner nichts auffällt. Bei der zweiten Methode wird eine Sprechtechnik trainiert, die weniger «stotteranfällig» ist. Weil chronisches Stottern auch eine seelische Belastung darstellt, kann zudem der Austausch mit anderen Betroffenen helfen.

Beratung
Vereinigung für Stotternde und Angehörige, Telefon 033 733 07 31; www.versta.ch

Buchtipp

Ulrich Natke: «Stottern»; Huber-Verlag, 2005, 146 Seiten, Fr. 34.90