Sie sind bereits auf einem guten Weg, weil Sie ein Problembewusstsein haben. Zum Schock kann die Pensionierung nämlich nur werden, wenn man sich weder emotional noch konkret auf die neue Lebensphase vorbereitet hat.

Wer bewusst lebt und die Signale seines Körpers wahrnimmt, wird in der Regel zwischen 50 und 60 eine Alterskrise erleben. «Körperteile, die bisher unauffällig waren», schreibt zum Beispiel der amerikanische Bestsellerautor Philip Roth übers Altern, «fangen an, sich besorgniserregend bemerkbar zu machen.» Selbst wenn man gesund bleibt, ist eine Verminderung der Vitalität spürbar. Vielleicht werden auch der Tod der Eltern, die Heirat der Kinder oder einschneidende Veränderungen am Arbeitsplatz zum Auslöser für eine Beschäftigung mit dem Alter. Diese sollte sowohl zu einer seelischen Vorbereitung als auch zu Visionen und Szenarien für das Rentenalter führen.

Bücher, Gespräche mit Gleichaltrigen und Älteren, eventuell sogar Kurse können dabei helfen. Leider ist in unserer jugendzentrierten Gesellschaft die Versuchung gross, das Thema zu verdrängen, die Augen vor der Realität des Alterns zu verschliessen und in eine hektisch verkrampfte Pseudojugendlichkeit zu fliehen.

Es ist normal, sich manchmal resigniert zu fühlen
Das Leben fängt nicht mit 66 an, wie Udo Jürgens gesungen hat. Die Psychologie hält Ehrlichkeit gegenüber sich selbst für fruchtbarer. Das Altern hat zweifellos viele positive Aspekte: Man braucht nicht mehr im hektischen Wettbewerb um Prestige, Karriere und Einkommen mitzuhetzen, denn das erreichte Niveau wird sich im Lebensherbst nicht mehr wesentlich ändern. Wenn man sich etwas darum bemüht, hat man mehr Gelassenheit, mehr Überblick, mehr Lebens-Know-how als je zuvor. Aber es hat keinen Sinn zu leugnen, dass man gesundheitlich anfälliger geworden ist, dass die Kräfte schwinden, dass man manchmal Angst vor der letzten, unheilbaren Krankheit oder dem Tod hat, dass die Zahl der Verluste, die man hinnehmen muss, zu- und die eigene Attraktivität abnimmt. Es ist deshalb normal, sich manchmal resigniert zu fühlen oder eine Wut zu bekommen. Der Psychologe Erik Erikson ordnet der Lebensphase nach 50 deshalb auch das Gegensatzpaar «Verzweiflung» versus «Integrität» zu. Er sieht es als Aufgabe, hier in einer «Altersweisheit» einen Ausgleich zu finden.

Tipps für gesundes Altern:

  • seelisch «aufräumen», das heisst, mit der Vergangenheit ins Reine kommen;
  • Einschränkungen und Abbau akzeptieren;
  • Überblick übers eigene und das Leben im Allgemeinen gewinnen;
  • soziale Kontakte pflegen;
  • sich mit Überzeitlichem beschäftigen (Kunst, Religion, Spiritualität);
  • Relativität alles Materiellen erkennen;
  • zum Körper Sorge tragen (Ernährung und Wellness).

Buchtipp
Dieter Hanhart u.a.:«Fit für die Pensionierung»; 352 Seiten, Fr. 34.80; erhältlich beim Beobachter-Buchverlag, Telefon 043 444 53 07

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