Tag für Tag füllte Nora Braun ihre Lungen mit Formaldehyd, Benzpyren, Benzol und 40 weiteren Krebs erregenden Substanzen – freiwillig. Fünf Jahre lang rauchte die 25-jährige Studentin täglich ein Päckchen.

Dann hörte sie auf. Allerdings nicht für lange.

«Nach drei Monaten Abstinenz zündete ich mir hie und da wieder eine an, ganz nach dem Lustprinzip.» Doch das «kontrollierte Rauchen», wie sie es ausdrückt, funktionierte nicht: Erst erhöhte sie an den Wochenenden den Konsum, «und nach drei Wochen Ferien war ich wieder voll drauf».

Damit ist sie in bester Gesellschaft: Fast 99 Prozent der Raucher, die den Ausstieg ohne Unterstützung wagen, halten kein Jahr durch. «Vier bis sechs Anläufe braucht

es im Schnitt», sagt Simone Tobler vom Rauchstopp-Zentrum Zürich.

Die Schweiz ist ein Land der Raucherinnen und Raucher: Jeder Dritte der 14- bis 65-Jährigen greift zum Glimmstängel, wie neuste Daten des Psychologischen Instituts der Uni Zürich zeigen – drei Viertel davon täglich. Männer tun es häufiger als Frauen (37 respektive 29 Prozent).

Aber jedem zweiten Raucher stinkt die Qualmerei. «Die wichtigsten Motive fürs Aufhören sind die Abhängigkeit und die Angst vor Erkrankungen», sagt Simone Tobler. Dahinter folgen eine bessere Leistungsfähigkeit und gesteigertes Selbstwertgefühl. Geld dagegen ist ein untergeordnetes Motiv.

Das Angebot an Rauchstopp-Therapien ist riesig, ein ultimatives Rezept gibt es nicht. «Den grössten Erfolg verspricht eine Kombination aus Arztgespräch und unterstützenden Massnahmen wie Nikotinersatz», sagt Andreas Zeller, Oberarzt an der Universitätspoliklinik Basel. Hypnose, Akupunktur oder Antiraucherliteratur könnten im Einzelfall zwar wirksam sein, streng wissenschaftlich sei die Wirksamkeit dieser Methoden aber nicht belegt.

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Bereitschaft von Körper und Geist

Sicher ist: Die Weichen für den Erfolg werden bereits bei der Vorbereitung gestellt: «Ein Rauchstopp verlangt die Bereitschaft des Körpers wie des Geistes», sagt Tobler. Ausserdem müsse man willens sein, alte Gewohnheiten aufzugeben.

Täglich sterben in der Schweiz 25 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums – das sind mehr als durch Aids, harte Drogen, Alkohol, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammen. Ein gutes Argument, mit dem Paffen aufzuhören.