Im Streit um die Schlachtabfallverwertungsfirma GZM in Lyss BE (Beobachter Nr. 8) hat nun auch der zuständige Regierungsstatthalter eingegriffen – mit einer überraschenden Stellungnahme: Der Betrieb, dem Anwohner seit Jahren eine übermässige Geruchsbelästigung vorwerfen, betreibe seit 1996 einen zweiten Trockner für Fleischabfälle, schreibt er.

Da dieser teilweise gleichzeitig mit dem ersten Trockner läuft, handle es sich dabei um eine Betriebserweiterung. Dafür hätten die Lysser Behörden vom Betrieb jedoch zwingend eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangen müssen, was die Gemeinde allerdings unterliess.

Vorwurf der Bestechung

Der Regierungsstatthalter ortet deshalb einen «gesetzeswidrigen Zustand», verzichtet aber auf eine sofortige Stilllegung des Trockners. Im Herbst wird die kantonale Baudirektion über das Schicksal der Anlage urteilen.

Der Streit rund um die GZM Lyss wird aber auch danach weitergehen. Die in der Vereinigung Pro Ambiente zusammengeschlossenen Anwohner haben im Frühling eine Strafanzeige wegen Bestechung eingereicht, weil die GZM jahrelang freiwillige Zahlungen an die Gemeinde Lyss tätigte. Dieser Vorwurf hat der Präsidentin und dem Vizepräsidenten des Vereins mittlerweile eine Gegenklage wegen falscher Anschuldigung, Verleumdung und übler Nachrede eingetragen. Thomas Angeli

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