Seit 29 Jahren betreibt der Schweizer Heinz Mühlegg in Vaduz ein Radio-TV-Fachgeschäft. Als er anfing, entwickelte Philips gerade die Compact Disc. Vier Jahre später wurde der erste CD-Spieler vorgestellt. Die Silberscheiben eroberten rasch den Markt.

Heute hat Mühlegg seine Musiksammlung auf einer Festplatte gespeichert. Denn Heinz Mühlegg ist auch «DJ Heinz». Und mit 51 Jahren hat er «keine Lust mehr, die ganzen CD-Kisten die Treppen hochschleppen zu müssen». Die Festplatte, auf der Musik für vier Wochen nonstop gespeichert ist, wiegt weniger als zehn CDs.

Die Grenzen lösen sich auf


Schwer geworden ist hingegen das Geschäft mit der Unterhaltungselektronik. Im Jahr 2000 wurden in der Schweiz Satellitenschüsseln, Videogeräte, Fernseher, Radios und Lautsprecher im Wert von 1,75 Milliarden Franken verkauft. Vergangenes Jahr lag der Umsatz noch bei 1,49 Milliarden Franken. Gleichzeitig ist der Marktanteil der Discounter in den letzten zehn Jahren von einem Drittel auf die Hälfte gestiegen. Grosse Händler haben bis zu 35000 Artikel im Angebot. Heinz Mühlegg denkt in anderen Dimensionen. Er muss sich genau überlegen, welche Geräte er in seinem Laden zeigen will, «denn die Trends ändern extrem schnell. Und Ladenhüter kann ich mir keine leisten.»

Die Digitalisierung der Unterhaltungselektronik geht rasend voran. «In drei Jahren werden alle Geräte digital sein», sagt IT-Berater Robert Weiss. Hi-Fi-Türme gehören bald der Vergangenheit an. Mit der Digitalisierung lösen sich die Grenzen zwischen Unterhaltungselektronik- und Computerbranche auf. Die Computerindustrie ist dabei, sich ein grosses Stück vom Geschäft mit Musik und Videos abzuschneiden. Apple verkauft mittlerweile mehr iPods als Computer. Die tragbare, fürs Abspielen von Musik konzipierte Festplatte kann mehrere tausend Musikstücke speichern.

Auch im Wohnzimmer hält der Computer Einzug. Zentrale Mediaserver füttern in Zukunft den LCD-Fernseher mit aktuellen Filmen, liefern die Hintergrundmusik zum Abendessen und verwalten die Fotos von der viermonatigen Weltreise.

Für die Radio-TV-Händler bedeutet dies aber neue Konkurrenz. Gleichwohl ist es Mühlegg nicht bange. Noch sind die Margen deutlich höher als bei den Computerhändlern. Und die zunehmende Komplexität schafft auch neue Chancen: «Man muss schon sehr viel Technikverständnis haben, um eine vernetzte Anlage selbst installieren und in Betrieb nehmen zu können.» Einmal musste Mühlegg aber auch das Gegenteil machen und einem Kunden, «der völlig überfordert war», eine trendige Mehrraumanlage wieder rausreissen.

Quelle: Lukas Unseld