Mara Binz stand auf der Terrasse, rieb sich die Müdigkeit aus den Augen und hörte nicht mehr auf damit. Die Augen der 27-jährigen Hebamme schwollen an und juckten. Dazu kam ein hartnäckiger Schnupfen. Während der ganzen Woche auf Elba hatte sie das Gefühl, die Inselwelt nur durch einen Schleier wahrzunehmen. Der Heuschnupfen trübte ihre Ferien – im schlechtesten Sinne des Wortes.

Jeder Zehnte leidet

Dieses Jahr soll alles anders werden. Mara Binz beschliesst, sich im Internet über Massnahmen gegen die Allergie zu informieren. Dabei erfährt sie zum Beispiel, dass rund zehn Prozent aller Menschen in den Industrieländern unter Heuschnupfen leiden, dass sich ein unbehandelter Heuschnupfen zu einem allergischen Asthma entwickeln kann – und dass Meeresküsten nur bei Seewind pollensicher sind. Bei Ferien auf küstennahen Inseln, wo der Wind oft vom Land her weht, müssen Allergikerinnen und Allergiker mit lästigem Pollenflug rechnen.

Mara Binz will es noch genauer wissen. Auf den Internetseiten der Europäischen Polleninformation erfährt sie zum Beispiel, welche Pflanzen zu welcher Zeit in den einzelnen europäischen Ländern blühen. Damit sie ihre nächsten Ferien aber nach dem Pollenkalender planen kann, muss sie zuerst wissen, worauf sie überhaupt allergisch ist. «Wer die Allergie auslösenden Pollen kennt, kann sie meiden. Das ist die beste Therapie bei Heuschnupfen – nicht nur in den Ferien», sagt Arthur Helbling, Allergologe am Berner Inselspital.

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Um dies zu klären, bleibt nur der Gang zum Spezialisten. Wird zum Beispiel eine Birkenpollenallergie diagnostiziert, fährt man also am besten dann in die Ferien, wenn die Birken in der Schweiz Blütezeit haben. «Zudem wäre es möglich, die Allergie mit einer spezifischen Immuntherapie ‹umzuprogrammieren› und den Körper zu desensibilisieren», sagt Arthur Helbling.

Ändern Sie Ihr Verhalten Ärztliche Hilfe ist jedoch nicht immer nötig. Leichter Heuschnupfen lässt sich in der Regel mit einfachen Verhaltensmassnahmen lindern. Arthur Helbling rät Mara Binz, im Frühling und im Sommer nur in den Abendstunden zu joggen, im Freien eine Sonnenbrille zu tragen und am Abend die Pollen aus den Haaren zu waschen.

Auch die Selbsthilfe via Internet unterstützt er. «Wenn langfristig keine Besserung eintritt, ist es sinnvoll, sich im World Wide Web über mögliche Therapien und Medikamente zu erkundigen.» Helblings persönlicher Tipp: die Seiten von «aha», dem Schweizerischen Zentrum für Allergie, Haut und Asthma.

Doch Vorsicht: Nicht alle Online-Angebote sind seriös, und die Informationsfülle ist riesig. So listen zwar viele Homepages sämtliche Nahrungsmittelallergien auf, die mit einer bestimmten Pollenallergie zusammen auftreten können. Das heisst aber für den einzelnen Patienten noch lange nicht, dass er selbst unter einer solchen Kreuzallergie leidet.

«Halten Sie keine Haustiere!» – «Hören Sie auf zu rauchen!» – «Schlafen Sie bei geschlossenem Fenster!» Solche und ähnliche Allerweltstipps finden sich haufenweise im Internet. Daneben findet Mara Binz jedoch auch viel Nützliches. Und einiges setzt sie mit Enthusiasmus um. Sie lässt zum Beispiel einen Pollenfilter ins Auto einbauen, lüftet ihre Stadtwohnung nur noch am frühen Morgen und macht bevorzugt bei Regen lange Spaziergänge.

Das alles bringt zwar Linderung, aber keine Heilung. Deshalb informiert sich Mara Binz im Internet auch über die wichtigsten Behandlungsmethoden und Medikamente sowie über Selbsttherapien mit homöopathischen Substanzen.

Zudem erfährt sie beim Surfen, welche Tests sie bei einer Abklärung durch den Arzt zu erwarten hat und welche Erfahrungen andere Allergikerinnen und Allergiker mit ihrer Krankheit machen.

Vor dem Pollenflug fliehen

Mit vielen Tipps und Hintergrundinformationen ausgestattet, beschliesst Mara Binz schliesslich, das weitere Vorgehen mit ihrem Hausarzt zu besprechen. Zuvor allerdings will sie eine Reise machen: vorsichtshalber auf einem Segelschiff im Mittelmeer. Denn dort weht der Wind vom Meer her: frisch, salzig – und garantiert pollenfrei.