Vordergründig gehts um nachhaltige Waldnutzung und ökologische Holzverarbeitung. Hinter den Kulissen aber tobt ein Kampf um Macht und Marktanteile auf dem Holzmarkt. Deswegen liegen sich die konkurrierenden Holz-Öko-Labels FSC und Q in den Haaren. Hinter FSC steht der WWF und hinter Q die Holzwirtschaft.

Die beiden Labels seien zwar gleichwertig, sagt Marco Zanetti, Leiter des Bereichs Waldnutzung beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal). «Dennoch sind sie eher nicht zusammenführbar», bilanziert er diplomatisch. Zu verbittert kämpfen die Initiatoren von FSC und Q für ihre eigenen Interessen. Mit der Absicht: die eigene Glaubwürdigkeit zu steigern, jene des andern zu schwächen.

Mit der nachträglichen Schaffung des Q-Labels wolle die Holzwirtschaft den Dialog mit den Umweltorganisationen umgehen, sagt Damian Oettlin, Leiter der WWF-Waldkampagne. Ziel der Holzwirtschaft sei es, den Status quo zu erhalten «und damit Ruhe zu haben».

Im Gegenzug wirft Urs Amstutz, Direktor des Schweizer Waldwirtschaftsverbandes, dem WWF vor, mit dem FSC-Label die Holzverarbeitung nicht zu berücksichtigen. «Man kann nicht am Waldrand aufhören», sagt Amstutz. Und er wundert sich über den Verkauf von Tropenholz-Fensterrähmen in Do-it-yourself-Läden, die FSC-zertifiziert sind.

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Angst vor Fremdbestimmung

Natürlich sind beide Seiten nicht um gute Antworten auf die Vorwürfe verlegen, doch letztlich geht es um etwas ganz anderes. Und das weiss auch Urs Amstutz. «Es geht um Machtansprüche», sagt er. Das Hickhack zwischen den beiden Labels sei nicht unbedingt sachlich begründbar.

Wichtig ist der Kampf trotzdem, denn wer sich mit seinem Label auf dem Markt durchsetzt, hat das Sagen. Die Umweltverbände haben ein Interesse daran, um die ökologische Waldnutzung in ihrem Sinn weltweit durchsetzen zu können. Und die Waldeigentümer wollen die Kontrolle nicht aus der Hand geben, weil sie Angst vor einer Fremdbestimmung durch die Umweltorganisationen haben.

Zwischen den Fronten steht das Buwal, das stets ein einziges Holz-Label wollte, sich nun aber angesichts der verfahrenen Situation auch mit zweien abfinden muss. «Kommunizierbar sind beide», sagt Marco Zanetti. Bereits im letzten Jahr haben Vertreter der beiden Labels unter der Leitung des Buwal «nationale Standards» für die Waldnutzung ausgearbeitet, an denen sie sich orientieren.

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Ziel des Buwal ist es nun, die beiden Organisationen wenigstens so weit zu bringen, dass sie einander gegenseitig anerkennen. Die Chancen dazu, so Zanetti optimistisch, seien intakt.

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