Wenn wir ernsthafter krank werden, gehen wir meist mit jener Selbstverständlichkeit zum Arzt, mit der wir ein Auto in die Garage bringen. Die Ursache der Krankheit soll lokalisiert werden, um das defekte Organ oder Teil schnell und zielgerichtet zu «reparieren».

Die Schulmedizin befreit sich zwar seit ­einigen Jahren von dieser zu engen, mechanistischen Denkweise. In fast allen Praxen und Spitälern wird heute die Wichtigkeit ­eines ganzheitlichen Ansatzes betont. Dennoch trennen wir in unserem vorherrschenden wissenschaftlichen Weltbild Körper und Psyche nach wie vor genauso, wie wir Geist und Materie trennen. Ganz einfach deshalb, weil wir erstens nur innerhalb dieser Teil­bereiche viele Wirkungszusammenhänge verstehen und beweisen können und weil zweitens die Schulmedizin mit diesem Vorgehen überzeugende Erfolge erzielen konnte.

Aber je grösser unser Verständnis in den Teilbereichen wird, desto mehr Hinweise finden sich, dass alles mit allem zusammenhängt.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

Allerlei halbgares Wissen wird verbreitet

Aus diesem Verständnis heraus entwarf New-Age-Guru Fritjof Capra 1982 sein Plädoyer für eine spirituelle «Wendezeit». Esoteriker bedienten die Öffentlichkeit bald darauf mit allerlei halbgarem Wissen über die grossen systemischen Zusammenhänge, und alte, ganzheitliche Therapieansätze aus Fernost kamen in Mode. Darunter auch das indische Ayurveda. Was ist die jahrtausendealte Heilmethode wert?

Anzeige

Unsere Autorin Tanja Polli hat sich in die «Wissenschaft des Lebens» vertieft (siehe Titelthema und der Blog der Autorin dazu). Sie hat mit Experten, Therapeuten, Medizinern und Patienten gesprochen, sich Angebote in Indien und in der Schweiz angeschaut und wissenschaftliche Studien zum Thema ausgewertet. Ihr Fazit: Der Ayurveda-Boom surft zwar in vielen Angeboten lediglich auf der modischen Wellness-Welle, aber der ganzheitliche Therapieansatz kann – wenn fachmännisch begleitet – bemerkenswerte Erfolge verbuchen.

Die Therapie, die darauf setzt, Krank­heiten durch einen gesunden Lebensstil, genügend Bewegung, spirituelle Methoden und Stressreduktion zu vermeiden oder zu behandeln, entspricht in vielerlei Hinsicht der modernen Krankheitsprävention.

Noch gibt es nur wenige klinische Studien zur Wirksamkeit von Ayurveda-Heilansätzen. Eine Untersuchung der Charité Berlin an 150 Patienten mit Kniearthrose zeigte jedoch, dass ayurvedische Methoden wirkungs­vollere Erfolge brachten als eine gleich lange Behandlung mit westlichen Medikamenten.

Anzeige

Nicht zuletzt wegen solch vielversprechender Hinweise erlaubt die Schweiz als erstes Land ausserhalb Indiens noch in ­diesem Jahr die ersten Prüfungen zum staatlich anerkannten Ayurveda-Heilpraktiker.

Jetzt am Kiosk: Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte in der aktuellen Ausgabe des Beobachters und was uns die indische Heilkunst bringt. In den weiteren Themen des Hefts spricht ein Betroffener wie die IV versuchte, ärztliche Gutachten zu umgehen. Und: Der Beobachter lässt die Muskeln spielen und geht mit einer Abmahnung gegen unfaire AGB bei Fitnessabos in die Offensive.

Ab Freitag, 20. März 2015 am Kiosk oder im Abo erhältlich.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.