Haben Sie den groben Fehler auf unserer Titelseite bemerkt? Vielleicht nicht – darum ein Tipp: Diese Ausgabe heisst gar nicht «Beobachter». Trotzdem haben Sie das Heft erkannt. Das zeigt: Für Sie als Leserinnen und Leser ist ein Fehler im Logo kein Problem. In der Wirtschaft sind solche Schriftzüge dagegen heilig. Hätten wir diesen Fehler nicht absichtlich eingebaut, sondern aus Versehen gemacht, hätten wir uns auf harte Kritik von oben und Häme von aussen gefasst machen müssen.

Dabei finden fast alle, doch doch, man dürfe schon Fehler machen – einfach nicht zweimal denselben. Gern heisst es auch, aus Fehlern könne man nur lernen. Die bekannten Sonntagspredigten halt.

Fehlertoleranz ist im deutschsprachigen Raum ziemlich selten. Präzision und Perfektionismus gelten hier als Kardinaltugenden, auf die man durchaus zu Recht stolz sein kann. Bloss gibt es auch die Kehrseite: den verkrampften Umgang mit Missgeschicken. Da zählen wohl viele von uns zu den Betroffenen. Anstatt uns nach einem Fehler klar­zumachen, wie er entstanden ist, wie man ihn beim nächsten Mal vermeidet, und dann den Vorfall abzuhaken, hadern wir oft noch lange mit dem Lapsus. Uns selbst bringt das nur schlechte Laune und dem Rest der Welt eigentlich auch nichts.

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«Das Klima in vielen Firmen lädt nicht gerade dazu ein, einen Fehler einzugestehen.»

Matthias Pflume

Wie Sie in unserer Titelgeschichte «Bloss keinen Fehler!» erfahren können (es wäre übrigens ein Fehler, sie nicht zu lesen), sind die Romands da laut dem Fehlerforscher Michael Frese entspannter. Was ihnen aus der Deutschschweiz immer wieder den Vorwurf einträgt, zu viel Schlendrian zu dulden.

Dazu finden Sie exklusiv auf beobachter.ch: Eine Bildergalerie mit 15 grossartige Erfindungen, die aus Fehlern entstanden sind.

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Der verblüffende Ansatz einer Luzerner Firma

Wenn man die herrschende Firmenkultur in der Deutschschweiz betrachtet, ist man bei der Frage nach der Henne oder dem Ei: Bestimmt eine von oben verordnete Firmenkultur den individuellen Umgang mit Fehlern? Oder ist es umgekehrt: Sind wir so perfektionistisch, dass die Firmenkultur zwangsläufig davon geprägt wird?

Klar ist, dass das Klima in vielen Unternehmen nicht gerade dazu einlädt, eigene Fehler einzugestehen. Dann wird viel Energie darauf verschwendet, einen Fehler zu kaschieren, kleinzureden oder die Verantwortung von sich zu weisen. Denn Fehler sind der Karriere nicht förderlich. Nach dem Motto: Nur wer nie Fehler macht, hat das Zeug zum Chef. Tatsächlich durfte ich eine ganze Reihe solcher Chefs kennenlernen – das pure Vergnügen.

Wie man es auch machen kann, zeigt die Firma Siga im Kanton Luzern. An jedem zehnten Arbeitstag stellen die 370 Mitarbeiter die Produktion ein, um sich ausschliesslich mit Fehlern zu befassen und die Arbeits­abläufe zu optimieren. Der verblüffende Ansatz zeigt, was entsteht, wenn Fehler­toleranz auf Deutschschweizer Perfektionismus trifft: neue Ideen.

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Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte in der aktuellen Ausgabe des Beobachters. Weitere Themen des Hefts sind Krach um Parkplätze, was im öffentlichen Raum toleriert werden muss und Hochsensibilität. Dazu erscheint ein Extraheft zu Herz und Kreislauf.

Der Beobachter erscheint in dieser Woche aufgrund des Tags der Arbeit bereits am Donnerstag, 30. April. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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