Ach, die Handystrahlung. Bitte nicht schon wieder! Wenn die wirklich gefährlich wäre, gäbe es bei der breitflächigen Nutzung doch längst harte Beweise dafür. Alles nur Panikmache von Esoterikern und Grenzwissenschaftlern, so der Tenor.

Auch die Redaktion des Beobachters reagierte zuerst skeptisch auf das Thema. Zwar gibt es seit rund 15 Jahren Hinweise darauf, dass die hochfrequente elektro­magnetische Strahlung schädlich für Mensch und Tier sein könnte, und seit einiger Zeit stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund zahlreicher Studien die Handystrahlung gar als «möglicherweise krebs­erregend» ein.

Doch für den praktischen Nutzen einer dauernd und überall verfüg­baren Kommunikation nehmen wir eine solch vage Warnung offenbar in Kauf.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

Ausbau von WLAN an allen Schulen

Eine vorschnelle Bequemlichkeit. Denn die «begrenzte Evidenz» besagter Studien bedeutet im Klartext, dass es durchaus «glaubhaft scheint», dass Handystrahlung Krebs auslösen kann. Einzig weil andere Ursachen oder methodische Mängel bei den Studien laut Bericht der internationalen Arbeits­gruppe IARC «nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können», fiel die Warnung bisher nicht härter aus.

Anzeige

«Immer mehr Studien besagen, dass die Gefahr durch Elektrosmog sich immer deutlicher zeigt.»

Andres Büchi, Chefredaktor

Das war der Stand 2013. Und alle machten weiter wie bisher: Ausbau von WLAN an allen Schulen, Funkantennen in jedem Seitental und bis in jeden Tunnel, Erreichbarkeit rund um die Uhr. Doch immer mehr Studien kommen zum Schluss, dass die Gefahren durch Elektrosmog nicht nur vermutet werden müssen, sondern sich immer deutlicher zeigen, wie unser Redaktor Gian Signorell in unserer Titelgeschichte «Wie gross ist das Risiko?» nachweist.

Anzeige

Tiere zeigen Symptome

Immer wieder berichten Menschen über Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Konzentra­tionsschwierigkeiten und andere diffuse Symptome, die sie in Zusammenhang mit Strahlungsfeldern in ihrem Umfeld bringen. Es kann sein, dass einige unter ihnen schon beim Anblick einer Funkantenne Symptome spüren und ihre Krankenakte deshalb nicht als Beweis für die Gefahr von Handystrahlen dient. Sicher ist aber, dass einige körperlich sehr sensibel auf elektromagnetische Strahlungsfelder reagieren.

Und neuste Studien belegen, dass auch Tiere, die ja nicht durch Suggestion beeinflusst werden, zum Teil deutliche biologische Symptome zeigen. Und das selbst dann, wenn die Strahlungswerte weit unter den festgesetzten Grenzen liegen. Wie genau solche Effekte zustande kommen, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass es sie gibt.

Anzeige

Wir sollten – bei allen Vorteilen des Mobilfunks – die Warnungen ernst nehmen. Also: Die Geräte, wo immer es möglich ist, bei Nichtgebrauch ausschalten. Klassenzimmer und Kinderzimmer möglichst vor Dauer­bestrahlung schützen, beim Telefonieren das Handy nie lange direkt am Ohr halten.

Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte zum Elektrosmog in der Schweiz in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

Weitere Themen des Hefts: Wie die Firma Swisscall bei Toten angebliche Schulden eintreiben will, wie Mädchen sich in Gruppenchats zum Hungern antreiben, wie sich ein forscher Bauherr die gute Nachbarschaft verbaut und warum das hochpotente Schmerzmittel Morphin in der Kritik steht.

Der Beobachter 15/2015 erscheint am Freitag, 24. Juli. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.