Auf dem Arbeitsmarkt haben es Ältere immer schwerer – eigentlich erstaunlich. Schliesslich fühlen sich Endfünfziger heute fitter als frühere Generationen in diesem Alter. Und jedem ist klar, dass man wegen der gestiegenen Lebenserwartung lieber länger Beiträge an AHV und Pensionskasse zahlen sollte, als vorzeitig in Rente zu gehen. Zudem verschärft sich der Mangel an Fachkräften, weil inzwischen die Generation der Babyboomer ins Rentenalter kommt. Der Jugendkult auf dem Arbeitsmarkt ist also ein unsinniger Luxus.

In der Titelgeschichte von Andrea Haefely geht es auch um die psychischen Folgen einer Kündigung kurz vor dem Rentenalter. Die Beispiele zeigen, dass Chefs in diesen heiklen Situationen nicht immer angemessen agieren und damit alles noch schlimmer machen.

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Gemäss dem ehemaligen Preisüberwacher Rudolf Strahm sind in den letzten fünf Jahren rund 50000 Beschäftigte der Generation «50 plus» ausgesteuert worden. Denn wer in diesem Alter seine Stelle verliert, hat es sehr schwer, eine neue zu finden. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) macht dafür die Altersdiskriminierung bei Stellenbesetzungen verantwortlich, die hierzulande erlaubt ist – anders als in den meisten OECD-Ländern.

Wenigstens hat sich Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt kürzlich dafür ausgesprochen, endlich mit den Altersgrenzen in Jobinseraten aufzuhören. Denn meist gibt es für solche Limiten keine sachlichen Gründe. In der Regel steckt dahinter das – inzwischen widerlegte – Klischee, Ältere seien weniger lernfähig, öfter krank und schlechter zu führen.

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Schwierig, Leute aus dem Ausland zu holen

Dass es so nicht weitergehen kann, wissen auch der Arbeitgeberverband und der Wirtschaftsverband Economiesuisse. Sie haben im Januar wieder einmal angekündigt, nun solle die Beschäftigung von Älteren forciert werden. Seit gut einem Jahr sitzt den Arbeitgebern die Masseneinwanderungsinitiative im Nacken, die es schwieriger machen dürfte, Junge aus dem Ausland zu rekrutieren. Erst wenige Unternehmen haben bereits Angebote für Ältere, um sie, bei reduzierten Pensen oder mit weniger Verantwortung, länger in der Firma halten zu können. Bisher werden solche Angebote allerdings wenig genutzt.

Einen objektiven Nachteil haben ältere Arbeitnehmer: Wegen der Pensionskassenbeiträge sind sie von Gesetzes wegen teurer als jüngere. Arbeitgeber und Angestellte müssen umso mehr zahlen, je älter der Mitarbeiter ist. Die vom Bundesrat geplante Reform der Altersvorsorge wäre die Gelegenheit, diese schädliche Regelung endlich zu ändern und die Beiträge für Junge und Alte anzugleichen.

Jetzt am Kiosk: Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte über die Arbeitslosigkeit im Alter in der aktuellen Ausgabe des Beobachters. Weitere Themen sind die Irrwege der Parteifinanzierung in der Schweiz, eine Diskussion mit fünf jungen Muslimen und – passend zum baldigen Frühling – ein Spezial-Heft für Gartenfreunde.

Ab Freitag, 06. März 2015 am Kiosk oder im Abo erhältlich.

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