Am 18. Oktober werden National- und Ständerat neu bestimmt; der Wahlkampf hat die heisse Phase erreicht. In einigen Wochen ­werden die Weichen für die ­Politik der nächsten vier Jahre gestellt, doch es scheint nur ein Thema zu geben: der ­richtige Umgang mit dem Flüchtlingsstrom nach Europa. So aufwühlend die Bilder vom ­Mittelmeer und von der Balkanroute sind – für unseren Alltag in der Schweiz werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten höchstwahrscheinlich andere Politik­bereiche doch wichtiger sein.

Die Titelgeschichte von Thomas Angeli («Nächster Halt: Wahllokal») zeigt einige dieser Themen. Sie macht das eher spielerisch mit einer Busfahrt. Denn die ­Zürcher Buslinie 31 verbindet in 37 Minuten Fahrzeit die sozialen Extreme der urbanen Schweiz: vom bürger­lichen Hegibachplatz über Kunsthaus, Hauptbahnhof und Langstrassenquartier bis in die Agglomerationsgemeinde Schlieren. Statistische Daten zeigen, wie unterschiedlich die Lebenswelten in den einzelnen Quartieren sind. Interviews, Porträts und Berichte beleuchten schlaglichtartig ­Zusammenhänge und Entwicklungen.

Matthias Pflume, stv. Chefredaktor

Quelle: Getty Images

«Wie es kein einheitliches Zürich gibt, gibt es auch keine homogene Schweiz.»

Matthias Pflume

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Wie es kein einheitliches Zürich gibt, gibt es auch keine homogene Schweiz. Das klingt banal – und gerät wohl deshalb leicht aus dem Blick. Dabei sollte es die Aufgabe der ­Politiker sein, nicht nur die Interessen ihrer jeweiligen Klientel zu vertreten, sondern auch das Gesamtwohl eines heterogenen Landes im Auge zu behalten. Der Politologe Hanspeter Kriesi sagte vor kurzem in der «Schweiz am Sonntag» über den Zustand des politischen Systems: «Die Schweiz ist heute eines der polarisiertesten Länder Europas. Das führt dazu, dass es die Blöcke nicht mehr schaffen, sich in zentralen Fragen auf ­pragmatische Lösungen zu einigen.»

Kompromisse sind gefragt

Dabei sind Pragmatismus und Kompromissbereitschaft in vielen Bereichen dringend ­nötig. Nur einige Beispiele: Wie soll die ­Altersvorsorge reformiert werden, damit sie auch funktioniert, wenn die Generation der ­Babyboomer in Rente geht? Wie soll die ­geplante Abkehr von der Atomkraft konkret umgesetzt werden? Wie weiter mit der ­Personenfreizügigkeit und dem Verhältnis zur EU? Wie kann das Familienrecht einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht ­werden? Wie lässt sich das Ideal von gleichen Bildungschancen aufrechterhalten? Wie ­wollen wir auf den Klimawandel reagieren?

All dies sind heftig umstrittene Fragen, die für die nächsten Jahre und auch weit ­darüber hinaus wichtig sind. Welchen ­Politikern trauen wir gute Lösungen zu? ­Unsere Titelgeschichte soll dazu animieren, sich vor der Stimmabgabe auch dazu ­Gedanken zu machen.

Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Nächster Halt Wahllokal» – eine Fahrt mit dem Bus 31 durch einen Mikrokosmos eidgenössischer Lebenswelten.

Weitere Themen des Hefts:

  • Forscher warnen vor der Aufhebung des Verbots der Verfütterung von Tiermehl an Nutztiere. 
  • Riskiert das Kunsthaus Zürich mit der Aufnahme der Sammlung Bührle einen Imageschaden?
  • Die Schweiz, ein Binnenland ohne Rohstoffe? Mitnichten. Eine Reportage über unseren wertvollsten Rohstoff: Mineralwasser.


Der Beobachter 18/2015 erscheint am Freitag, 4. September. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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