«Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.» – Diese Behauptung stammt von einem, der selber das Risiko nicht scheute, von Henry Ford. Der Pionier des Automobilbaus wurde von seinen Zeitgenossen oft belächelt. Zu gewagt schienen seine Pläne, zu verwegen seine Überzeugungen. Er ist sich selber treu geblieben, ist konsequent seinen Weg gegangen, und der Erfolg hat ihm Recht gegeben.

Die Leserinnen und Leser des Beobachters haben ein deutliches Urteil abgegeben. Sie ehren mit dem Publikumspreis 2004 zwei Töchter Henry Fords: Doris Vetsch und Anita Chaaban.


Lieber das Scheitern riskieren, als zu kapitulieren. Doris Vetsch und Anita Chaaban sind aus einer direkten Betroffenheit heraus aktiv geworden: Nie wieder sollte das geschehen, was ihre Tochter, ihr Patenkind Katja Vetsch erleiden musste. Nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltverbrecher sollten unwiderruflich eingesperrt werden. Zu dieser Überzeugung sind die beiden Frauen gelangt – und nicht mehr davon abgewichen.

Trotz Anfeindungen, Bedrohungen und Widerständen haben Doris Vetsch und Anita Chaaban ihre Überzeugung politisch umgesetzt, Unterschriften gesammelt und in der Volksabstimmung einen überraschend deutlichen Sieg errungen.

Der Beobachter hält noch heute die von den beiden Frauen initiierte Lösung für verfehlt. Aber der Mut und die Hartnäckigkeit von Doris Vetsch und Anita Chaaban haben der Redaktion und auch der Leserschaft des Beobachters imponiert. Der Publikumspreis ehrt nicht nur zwei starke Frauen. Er setzt auch ein deutliches Signal zugunsten der Opfer sexueller Übergriffe.
Laudatio von Balz Hosang, Chefredaktor Beobachter

Quelle: Ursula Meisser