Beobachter: Herr Gabriel, heute kaufen auch immer mehr junge Menschen Wohneigentum. Was raten Sie ihnen?
Luciano Gabriel: Wegen hoher Transaktionskosten hält man ein Eigenheim in der Schweiz meist für viele Jahre. Wer ein Haus zu früh kauft, ist in seinen finanziellen Möglichkeiten stark eingeschränkt und damit in der Objektwahl limitiert. Die Folge: Vielleicht ist diese Liegenschaft schon nach wenigen Jahren entweder zu klein oder ganz einfach nicht gut genug. Daher lohnt es sich, länger zu sparen.

Beobachter: Was empfehlen Sie betreffend der Finanzierung?
Gabriel: Eine Immobiliengesellschaft wie PSP nimmt zur Finanzierung verschiedene Tranchen mit unterschiedlichen Fälligkeiten auf. Ähnlich kann eine Privatperson Risiken auf mehrere Hypothekartranchen verteilen und damit die Zinsschwankungen ausgleichen.

Beobachter: Lässt sich das Risiko höherer Zinsen umgehen?
Gabriel: Nein. Die Meinung, dass man Zinsen zum Beispiel mit Festhypotheken «absichern» kann, ist irreführend. Es kann keine vollumfängliche Sicherheit geben, immer nur eine befristete. Am Ende jeder Laufzeit ist man wieder hundertprozentig dem Risiko hoher Zinsen ausgesetzt.

Beobachter: Was halten Sie davon, dass heute viele Schuldner Festhypotheken mit einer Laufzeit von fünf Jahren abschliessen?
Gabriel: Sehr viele Schuldner gehen davon aus, dass die Zinsen in den nächsten Jahren etwas steigen werden. Wenn ich mich heute für fünf Jahre absichere, zahle ich mehr Zins, kann dafür aber ruhig schlafen. Wenn jedoch die Zinsen in drei Jahren stark anziehen, möchte ich mir zu diesem Zeitpunkt möglichst für weitere Jahre einen tieferen Zins sichern. In diesem Fall blockiert mich die aktuelle langfristige Hypothek jedoch, weil ich nur gegen hohe Kosten aussteigen kann.

Beobachter: Sind kurzfristige Libor-Hypotheken eine Alternative?
Gabriel: Das ist eine sehr faire Variante, weil für den Kunden die Kosten jederzeit transparent und nachvollziehbar sind. Wegen höherer Risiken bei steigenden Zinsen eignet sie sich aber nicht für Schuldner, die knapp rechnen müssen.

Beobachter: Viele Kunden entscheiden sich noch immer für das nächstbeste Angebot ihrer Hausbank. Ist das klug?
Gabriel: Im Bereich der Wohnbaufinanzierung sollte eine Bank ihre Kunden und den lokalen Immobilienmarkt gut kennen. Insofern ist die Hausbank oder eine ortsansässige Bank die richtige Adresse. Man sollte aber immer mindestens eine Vergleichsofferte einholen. Einem Verhandlungspartner wird es nicht entgehen, wenn der Kunde keine Alternativen hat. Ganz allgemein zahlen gut informierte Kunden weniger. Das ist bei anderen Produkten und Dienstleistungen genau gleich.