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HypothekenDie Banken holen es sich bei den Kunden

Hausbesitzer, die jetzt eine neue Hypothek abschliessen, profitieren von den tiefen Zinsen.
Hausbesitzer, die jetzt eine neue Hypothek abschliessen, profitieren von den tiefen Zinsen. Bild: Thinkstock Kollektion

Die Preise für Hypotheken spielten vorübergehend verrückt. Nun haben die Banken ihre Strategie angepasst: Sie überwälzen Verluste, die ihnen durch Negativzinsen entstehen, auf die Kunden.

von Marcel Weigele

Die Freude war von kurzer ­Dauer: Nachdem die Nationalbank (SNB) am 15. Januar den Euro-Mindestkurs aufgehoben hatte, rutschten die Zinsen für Hypotheken noch weiter nach unten. Zehnjährige Festhypotheken waren etwa bei Homegate zu 0,74 Prozent erhältlich. Denn die SNB hatte gleichzeitig eine weitere Zinssenkung beschlossen; seither müssen die Banken für ihre Guthaben bei der SNB teils Zinsen bezahlen. Darum sanken die Zinsen für Hypothekarkredite auf breiter Front.

«Sparer massiv verunsichert»

Der Zinssegen hielt nur kurz. Wenige Tage später zogen die Sätze wieder an, bei Homegate kosten Zehn-Jahres-Hypotheken derzeit gegen 1,4 Prozent, obwohl die Leitzinsen noch immer negativ sind.

Für die Berg-und-Tal-Fahrt sieht Stefan Heitmann, Chef des unabhängigen Vermittlers Money­Park, mehrere Gründe. So hätten Banken schlichtweg die Preise massiv ­hinaufgeschraubt, um ihre Marge zu erhöhen. Damit kompensieren sie wegbrechende Erträge im Einlagen- und Anlagegeschäft. «Der Entscheid der SNB hat nicht nur Anlegermilliarden vernichtet, er hat auch Anleger und Sparer massiv verunsichert», sagt Heitmann. «Nun muss das Kredit­geschäft das Anlagegeschäft ‹subventionieren›.» Viele Banken seien technisch nicht in der Lage gewesen, mit ihren teilweise veralteten IT-Systemen die Negativzinsszenarien abzubilden. Deshalb hätten die Zinsen ungewohnt geschwankt, und die Differenzen zwischen den publizierten Preisen seien so gross wie nie gewesen.

Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter hat sich in den letzten 12 Monaten fast verdoppelt.
Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter hat sich in den letzten 12 Monaten fast...

Bei bestehenden Festhypotheken ändert sich durch die Schwankungen der letzten Wochen nichts. Wer jedoch aus einer laufenden Festhypothek aussteigen will, etwa weil er das Haus nach der Scheidung verkaufen muss, zahlt noch mehr als zuvor. Ursache dafür ist, dass die Bank auf den Hypothekarkunden zusätzlich die Kosten für die Wiederanlage des Geldes überwälzt, denn die Bank muss der SNB Negativzinsen bezahlen.

Gewinner sind die Hausbesitzer, die neu abschlies­sen können – sie profitieren direkt von den tiefen Zinsen. Bevor man dem Kreditgeber zusagt, lohnt es sich noch mehr als bisher, mehrere Offerten einzuholen und hart zu verhandeln. Denn der Unterschied zwischen den günstigsten und den teuersten Angeboten hat sich verdoppelt (siehe Grafik).

Prüfenswert: Libor-Hypothek

Ebenfalls günstig sind Libor-Hypotheken. Der Libor ist ein täglich festgelegter Zinssatz für kurzfristige Ausleihen unter Banken. Zum Libor zählt die Bank ihre Marge hinzu, das ergibt den Zins für Kunden. Da der Drei-Monats-Libor bei minus 0,9 Prozent oder tiefer liegt (Stand: 12. Februar), zahlt der Schuldner der Bank derzeit nur ­deren Marge. Kreditgeber formulieren die Verträge neuerdings so, dass bei negativem Libor-Zins trotzdem 0 als ­Basis für die Hypothek gilt. Ältere Kreditverträge sehen keine solche Klausel vor. Wie viel die Kunden bei diesen Verträgen zahlen müssen, muss im Streitfall wohl ein Gericht klären.

Veröffentlicht am 2015 M02 17