Wo Leben ist, ist Kohlenstoff. Er ist Teil von Laubblättern, Plastikbechern, Zeitschriften und Mo­torenöl. Er steckt tief in der Erdkruste in Jahrmillionen alten Kohle- und Erdöl­sedimenten, und er schwebt unsichtbar fürs Auge in den Luftschichten der Atmosphäre. Das gesamte Kohlenstoffvorkommen wird auf 75 Millionen Gigatonnen1 geschätzt.

Kohlenstoff hat keinen festen Platz, er zirkuliert. In einem ewigen Kreislauf werden Kohlenstoff und seine Verbindungen aufgenommen, verwertet, aus­geschieden, wieder aufgenommen. Die grosse Masse zirkuliert sehr langsam, im Verlauf von mehreren 100 Millionen Jah­ren. Selbst der kurzfristige Kohlenstoffkreislauf übersteigt jedoch die menschliche Vorstellungskraft: Knapp 800 Gigatonnen Kohlenstoff (800 Billio­nen Kilogramm) werden verschoben.

Durch menschliche Aktivitäten werden zurzeit «nur» rund 7,9 Gigatonnen Kohlenstoff in Form von Kohlenstoff­dioxid (CO2) freigesetzt. Sie stammen  meist aus der Verbrennung fossi­ler Brennstoffe. Kleine Ursache, grosse Wirkung: Weil sich nur ein winziger Teil des globalen Kohlenstoffs – etwa 0,001 Prozent – in der Atmosphäre befindet, wirkt sich jede Störung besonders stark aus: Luft, Erde und Ozeane erwärmen sich und lösen eine sogenannte «positive Rückkopplung» aus: Die immer wärmer werdende Luft heizt die Oze­ane auf, weshalb diese weniger CO2 aufnehmen können. Damit bleibt mehr CO2 in der Atmosphäre, was den Treibhauseffekt verschlimmert – und beschleunigt.

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Vor rund 55 Millionen Jahren geriet der Kohlenstoffkreislauf letztmals aus dem Gleichgewicht. Innerhalb einer geologisch kurzen Zeit gelangten rund 2000 Gigatonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre und erwärmten sie. Dadurch kam es auf der Erde zu ei­nem Mas­sen­sterben. Und rund 100 000 Jahre verstrichen, bis das Klima wie­der im Lot war.