Der Berner Simon Joller ist vor kurzem nach Aarau gezogen. Bei der Einwohnerkontrolle erhält er nebst Stadtplan und Abfallwegweiser auch eine Schachtel Tabletten. «Weil wir hier in der Nähe des Atomkraftwerks Gösgen sind für den Ernstfall», sagt der Beamte. Joller schaut sich die weiss-blaue Schachtel mit dem Aufdruck «Kaliumiodid 65 mg» genauer an: Verfallsdatum 12/2001. Die zehn Tabletten sind also schon seit mehr als einem Jahr abgelaufen.

1993 verteilte der Bund erstmals Jodtabletten an alle Haushalte im Umkreis von fünf Kilometern der Kernkraftwerke Beznau, Gösgen, Mühleberg und Leibstadt. Die Tabletten sollen verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse festsetzt.

«Die alten Tabletten sind immer noch zu 100 Prozent wirksam», versichert Max Zulliger von der Geschäftsstelle für die Kaliumiodidversorgung. Zuzügern sollte das von der Gemeinde mitgeteilt werden bei Joller ging es offensichtlich vergessen. «Ein Versehen, das uns Leid tut», heisst es von der Einwohnerkontrolle Aarau. Neu würden nun alle Kaliumiodid-Schachteln mit einer Etikette versehen, die deren Wirksamkeit bestätige.

Gemäss einer Mitteilung des Bundesamts für Gesundheit hätten die Tabletten allerdings bereits bis Ende 2002 ersetzt werden müssen. Die Verteilung verzögert sich, da neu auch alle Menschen im Umkreis von 20 Kilometern der Kernkraftwerke mit den Jodtabletten direkt versorgt werden sollen und dafür eine Anpassung der Bundesverordnung nötig ist. «Wir rechnen damit, dass im Herbst die neuen Packungen verteilt werden», so Max Zulliger.

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