Seit in Bern vor zwei Jahren mit dem neuen Polizeigesetz auch ein neuer Wegweisartikel eingeführt wurde, geht die Polizei nach Auskunft von Gassenarbeiterin Sandra Steinle vermehrt gegen jugendliche Randständige, gegen Punks und Kiffer vor. «Es wird nichts mehr toleriert.» Die jungen Leute würden mit zum Teil fadenscheinigen Begründungen vertrieben und verzeigt. Das neue Gesetz gibt der Polizei die Handhabe dazu. Der Wegweisartikel funktioniert analog dem Rayonverbot für Ausländerinnen und Ausländer. In Bern kann es auf alle angewendet werden. Sandra Steinle: «Im Grunde kann man so jeden kriminalisieren.»

In Olten sind derzeit vor allem Rückführungen von Drogenkonsumenten angesagt. Auswärtige würden von der Polizei radikal vertrieben, teils schon am Bahnhof abgefangen und in ihre Heimatgemeinden zurückgeschafft, erklärt Gassenarbeiterin Claudia Bernasconi. «Andere Randgruppenjugendliche werden zurzeit mehr oder weniger in Ruhe gelassen.»

Die Gassenarbeit in Zürich ist direkt dem städtischen Sozialdepartement unterstellt. Vertreibungen seien in der Limmatstadt kein Thema, sagt Mark Meier, Projektleiter Streetwork. Zwar gibt es auch dort neuralgische Punkte wie etwa die Bäckeranlage oder den Bahnhof Stadelhofen, wo die Polizei immer wieder mal die Szene auflöse. «Im Grunde sind die jungen Punks oder Kiffer aber im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Polizei, Anwohnern und Geschäftsinhabern geduldet.»

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