Omar, mein stolzer Kater. Weisst du noch...

... wie du immer auf meinem Kopfkissen geschlafen hast – ganz egal, ob ich es vielleicht gerade selber benutzen wollte?

… wie du immer deinen Kopf unter meine Hand geschoben hast, wenn du gestreichelt werden wolltest?

... wie du damals das Katzennetz aus der Verankerung gerissen hast, um deinen ersten Spatz zu fangen? Ich hatte fast einen Herzinfarkt – der Spatz auch.

... wie du meine Eltern fast verrückt gemacht hast, als sie dachten, du seist bei einem schweren Gewitter vor Angst von ihrem Balkon gesprungen, weshalb sie mitten in der Nacht bei stürmischem Regen mit Taschenlampen deinen Namen rufend durch den Garten liefen und sich bei den Nachbarn verdächtig machten, ihre «Oma» zu suchen? Während du dich im sicheren Badezimmerschrank verstecktest?

… wie wir am Ende zweimal pro Woche zum Tierarzt fuhren, damit du deine Infusionen bekommst, und wie neugierig du auf der Fahrt immer aus der Transporttasche geguckt hast – gerade so, als führen wir den Weg zum ersten Mal?

… wie sehr ich haderte, als du körperlich so abbautest und von deinen einst 7,5 Kilo auf 2 Kilo abgemagert warst, derweil dich selbst das in deinem Tatendrang nicht zu kümmern schien?

... wie gern du immer durch den Nieselregen spaziert bist? Das war dein Lieblingswetter.

... wie es am Morgen des 28. Juli leicht genieselt hat? Als wir dann ins Taxi stiegen, hatte es aufgehört zu regnen.

... wie sehr ich dich liebe?

Du warst so unendlich müde. Also liess ich dich nun schlafen, für immer schlafen. Es war ganz sanft, es war der «richtige» Zeitpunkt.

Auch heute, zwei Monate später: Du fehlst. Grüsse uns Sahib, Mogwai und LouLou – ich liebe euch. Ihr seid nicht fort. Nur woanders.

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Warum ich in den ersten Monaten dieses Jahres glaubte, nicht nur Omar in den Tod begleiten zu müssen, erfahren Sie hier.

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Den Schmerz nicht verdrängen


  • Genau wie beim Verlust eines Menschen durchlaufen die Hinterbliebenen auch beim Tod eines Tieres verschiedene Phasen. Vom ersten Schrecken über Schuldzuweisungen und Aggression bis zur Bejahung – diesem Prozess der Verarbeitung können Sie nicht ausweichen.

  • Es kann durchaus hilfreich sein, dem verstorbenen Tier einen Abschiedsbrief zu schreiben: Rituale erleichtern eine Trennung.

  • Einige Tierkrematorien fertigen auf Ihren besonderen Wunsch zur Erinnerung einen Pfotenabdruck vom verstorbenen Tier an.

  • Unter www.tierkremation.ch können Sie einen persönlichen Nachruf auf Ihr Tier hinterlegen.

  • Überlegen Sie sich gut, ob Sie Ihr Tier zu Hause oder in der Klinik einschläfern lassen wollen. In der Regel bleibt beim Tod in den eigenen Räumen die schwierige Erinnerung noch länger haften. (Ueli Zindel)

Weitere Infos: «Die Trauer um den treusten Freund»

Beratung
Das Tierkrematorium Seon bietet Trauerseminare an: Beratung

Buchtipp
Das Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung hat ein Büchlein zur Trauer um das Tier herausgebracht: «Baffy» richtet sich an Kinder, enthält ein Beiblatt für Eltern und kostet 10 Franken. Erhältlich bei www.iemt.ch