Darf ausgerechnet ein Pfarrer sterben helfen? Für Rolf Sigg keine Frage: «Was gibt es Humaneres, als jemandem, der leidet, die selbstbestimmte Erlösung zu ermöglichen? Auch Hilfe zum Freitod gehört zur christlichen Nächstenliebe.»

Für diese Überzeugung steht der ­Pfarrer, Psychologe und Querdenker seit 30 Jahren ein. Als Geschäfts­führer der 1982 gegründeten Sterbehilfeorganisation Exit trug Sigg ­massgeblich dazu bei, dass die ­Organisation schweizweit bekannt wurde, dass Vorurteile abgebaut ­wurden und dass die Mitgliederzahl in den 13 Jahren seiner Amtszeit von 2500 auf 65000 anwuchs.

Er musste aber auch immer wieder Widerstände ertragen, auch und ­gerade aus den eigenen Reihen. 1986 verlor er im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit bei Exit sein Pfarramt in Grenchen. Die Presse nannte ihn über Jahre hinweg «Todesengel». Und selbst mit internen Ränkespielen hatte Rolf Sigg zu kämpfen. Der ­Vorstand wollte ihn wegen angeblich überhöhter Spesen absetzen, blieb ­allerdings erfolglos.

Im Herbst 1997 gründete Rolf Sigg in Deutschland, wo Beihilfe zur Selbst­tötung faktisch verboten ist, den Verein Ex-International. Mit dem Ziel, auch im Nachbarland Menschen zu einem selbstbestimmten Tod zu ver­helfen. Viermal wurde er verhaftet, verbrachte auch einmal eine Nacht in der Zelle. Da war der heute 95-Jährige schon über 80.

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Rund 500 Menschen hat er im Lauf der Jahrzehnte auf deren eigenen Wunsch von ­ihrem Leiden erlöst, immer ehren­amtlich und ohne jemals Lohn zu ­beziehen. «Ich war immer überzeugt, das Richtige getan zu haben, und bin es auch heute noch», sagt er. ­«Darum kämpfte und kämpfe ich unbeirrt für das Recht auf selbstbestimmtes und würdiges Sterben.»

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