Eigentlich war Brigitte Gottlieb nur einer Bekannten zuliebe mit an die Gemeindeversammlung in Wimmis BE gegangen. Und weil es dort eine Gratis-Bratwurst gab. So musste die 73-jährige überzeugte Singlefrau nicht extra kochen.

Doch als sie hörte, was Projektgegner Hansueli Jungen in seinem Votum ­gegen das Traktandum «Eyfeld Nord» ins Feld führte, traute sie ihren Ohren nicht. Die Baustoff­firma Vigier, die in einer ehemaligen Kiesgrube Bauschutt ablagern will und hierfür die Zustimmung der Stimmberechtigten benötigte, habe mit fragwürdigen Methoden lobbyiert, sagte Jungen. Der Gemeinderat sei bei einem Fussballmatch in die VIP-Lounge von Vigier eingeladen worden, ­zudem habe die Firma Vereine, die sie in den letzten Jahren finanziell unterstützt habe, per Brief daran erinnert und um Jastimmen ­gebeten. Und das Schlimmste: Der Musikgesellschaft habe die Firma angeboten, 25 Franken für jedes Mitglied zu zahlen, das an der Gemeindeversammlung teilnehme.

Da konnte Brigitte Gottlieb einfach nicht schweigen: «Wenn das stimmt, ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Es handelt sich um Bestechung!», sagte sie vor dem versammelten Dorf. Nach Beschwichti­gungen des Gemeinderats stimmten die Wimmiser am Ende knapp für das Projekt.

Aber Brigitte Gottlieb liess nicht locker. Gesetze gelten für alle, sagte sich die ehemalige Betreibungsbeamtin. Sie reichte Strafanzeige wegen Wahlbestechung ein und erhob gegen den Beschluss der ­Gemeindeversammlung Beschwerde beim Regierungsstatthalter – die Sache ist noch hängig. «Hut ab!», meint Hansueli Jungen zu Gottliebs Einsatz. «Es braucht Mumm, sich hinzustellen und so etwas allein durchzuziehen.»

Anzeige