Nachttöpfe zu reinigen ist für die Hilfs­pflegenden des Genfer Universitätsspitals längst eine Nebensache. Schon lange übernehmen sie verantwortungsvolle medizinische Aufgaben. Das erwei­terte Pflichtenheft 2010 zeigt die jährlich gestiegenen Anforderungen an den Beruf schwarz auf weiss – höchste Zeit für die Hilfspflegerinnen Déborah Bouyol, 55 (im Bild rechts), und Maria Hoffland, 52, eine Gehaltserhöhung um zwei Lohnklassen zu fordern.

Bei der Spitaldirektion und beim Genfer Regierungsrat bissen sie auf Granit, doch länger ausnutzen liessen sich die Hilfs­pflegerinnen nicht. Im Oktober 2011 brachten Bouyol und Hoffland zusammen mit den Gewerkschaften VPOD und SIT einen Streik ins Rollen. Vorgesetzte wollten den Ausstand verhindern: In einschüchternden Briefen drohten sie mit Entlassung.

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Die Streikenden trotzten ihren Existenzängsten und nahmen Lohnausfälle in Kauf. Vor dem Büro der Spitaldirektion harrten sie aus, bis diese den Vorgesetzten ein ­Einschüchterungsverbot erteilte.

Den Frauen konnten auch die hämischen Zeitungsberichte nichts anhaben, die ihre Forderung nach mehr Lohn in Zeiten der Wirtschaftskrise kritisierten.

250 Hilfspflegerinnen und Hilfspfleger streikten, versorgten aber die Patienten weiterhin mit einem ausgeklügelten ­Minimaldienst-System.

Nach wenigen Tagen gab der Regierungsrat nach: Er stufte die 1200 Hilfspflegenden eine Lohnklasse höher ein.

Déborah Bouyol und Maria Hoffland als Vertreterinnen für die 250 streikenden Kollegen sind von der Nomination für den Prix Courage berührt: «Sie ist die Frucht aller unserer Bemühungen und Risiken, die wir Streikenden auf uns genommen haben, um für unseren Beruf die richtige Anerkennung zu erhalten.» 

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