Eine Tonne Müll aus Neapel hat denselben Heizwert wie 350 Liter Rohöl aus Arabien. Müllimporte sind ökologisch sinnvoll», sagt Peter Steiner. Der Geschäftsführer verteidigt so das umstrittene Angebot seines Verbands der Betriebsleiter und Betreiber schweizerischer Abfallbehandlungsanlagen (VBSA), rund 100'000 Tonnen Müll aus der Region Neapel hier zu verbrennen. Daraus wird wohl ohnehin nichts. Aber einige Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) haben freie Kapazitäten, und «mittel- bis längerfristig ist man an einer Lösung durch Bahntransporte interessiert», sagt Steiner.

Auch wenn Ökologie das Argument ist - dem Interesse an solchen Importgeschäften liegt nicht das grüne Gewissen zugrunde; es sind finanzielle Überlegungen. Denn die KVA verfügen über Reservekapazitäten. Das ist ökonomisch nicht optimal, da Betriebs- und Kapitalkosten ohnehin anfallen. Jede Tonne zusätzlichen Mülls verbessert also die Bilanz. So werden hierzulande bereits jetzt jährlich mehr als 400'000 Tonnen «Güsel» aus dem näheren Ausland verbrannt.

Europaweit gilt das Prinzip, dass Abfall möglichst lokal entsorgt werden soll. Wird die Schweiz zur Mülltonne anderer Länder, dürfte dies weder die Bürger freuen noch ökologisch sinnvoll sein. Gemäss Berechnungen von SBB Cargo braucht es für 100'000 Tonnen Haushaltsmüll einen Zug mit 3175 Waggons und 63,5 Kilometer Länge. Und wie zuverlässig wird an der Grenze kontrolliert, ob auch Sondermüll im Abfall drin ist?

Noch ist nichts entschieden. Stefan Schwager vom Bundesamt für Umwelt äussert sich aber zurückhaltend: «Auf Dauer wäre es falsch, Abfall quer durch Europa zu karren.»

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