Ein Ball fliegt durch die Luft. Die siebenjährige Mireilla macht sich bereit – gefangen! Sie hält den bunten Ball fest in ihren kleinen Händen. Leiterin Hedla Rota lobt das Mädchen, das als eines von zwölf Kindern am Sportunterricht in der Zürcher Seefeldturnhalle teilnimmt. Hedla Rota besucht jedes Jahr zwei Kurse des Schweizerischen Turnverbands (STV) für ihre Weiterbildung im Kinderturnen. Sie möchte dem fünf- bis siebenjährigen Nachwuchs ein möglichst vielseitiges Programm anbieten.


Das Kinderturnen ist der Damenriege Riesbach, einem Verein des STV, angeschlossen. Die Vereine bilden das Herzstück fast aller Sportarten – und sind eine zentrale Quelle für Informationen. In den Städten und fast allen Dörfern werden Kinderkurse durchgeführt. Das grosse Angebot macht Eltern und Kindern den Entscheid nicht leicht.


Geld und Zeit einteilen

Die Wahl fällt leichter, wenn sich Eltern zuerst einige Uberlegungen anstellen, was für ihre Kinder in Bezug auf die Sportart wichtig ist.



  • Eine gute Informationsquelle sind Bekannte, die in einem Sportverein sind oder deren Kinder Sport treiben. Erkundigen Sie sich über entsprechende Angebote.
  • Was erwarten Sie von einem Verein? Soll Ihr Kind Erfolg haben oder sich vor allem bewegen und in einer Gruppe aufgehoben sein?
  • Machen Sie sich Gedanken darüber, wie viel Zeit Sie und ihr Kind für den Sport investieren wollen. Wenn die kleinen Tennispielerinnen und Fussballer die Möglichkeit haben, selbstständig die Sportanlage aufzusuchen, erspart Ihnen das viel Aufwand.
  • Wenn die Sportanlage des Vereins nicht in der Nähe liegt, brauchen die kleinen Sportler einen Taxidienst. Da stellt sich die Frage, ob das Kind nicht bei einem Verein in der Nähe einsteigen soll. Denken Sie auch an die Wettkämpfe und Spiele, die meistens an den Wochenenden stattfinden. Die Kinder brauchen oft einen Chauffeur. Beim grossen Auftritt schätzen die Kinder zudem das Dabeisein von Mami und Papi.
  • Auch beim Sport spielt das Geld eine Rolle. Wie viel Geld können und wollen Sie für die Sportaktivitäten Ihres Kindes aufwenden? Es gibt Sportarten, deren Ausübung nur wenig kostet, und andere, die sehr teuer sind. Die kommerziellen Anbieter wie Fitnessklubs wollen mit dem Sport Geld verdienen. Hier sind die Preise für die Lektionen relativ hoch. Die andern Anbieter, zumeist Vereine, betreuen die Gruppen vielfach ehrenamtlich. Daher sind ihre Angebote auch entsprechend günstiger. Diese Vereine sind jedoch zum Teil auf den Einsatz ihrer Mitglieder angewiesen. So kann es sein, dass eine Jugendriege einmal eine Papiersammlung macht, um die Vereinskasse mit einem finanziellen Zustupf aufzufüllen.
  • Vergessen Sie auch nicht, die Ausrüstung ins Budget einzuplanen. Gewisse Sportarten kommen mit einem finanziellen Minimalaufwand aus, andere benötigen teure Zusatzausrüstungen, ohne die der betreffende Sport gar nicht ausgeübt werden kann – so zum Beispiel Velofahren, Reiten oder Eishockey. Die Ausrüstungsgegenstände können allerdings meistens auch gemietet werden. Erkundigen lohnt sich auf jeden Fall. Da Kinder wachsen, brauchen sie immer wieder grössere Ausrüstungen; zudem ist nicht sicher, dass ein Kind immer bei der gewählten Sportart bleibt.


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Jugend und Sport als Magnet

Die kantonalen Sportämter sind gute Anlaufstellen, um offene Fragen zu klären. Die Ämter geben Auskunft über die Sportarten in den Regionen, sie haben Kontaktadressen von sämtlichen Anbietern und geben Gratisbroschüren ab. Auch die kantonalen und nationalen Sportverbände orientieren gern über ihre Vereine und deren Angebote.


Fragen Sie nach Probestunden. Das ermöglicht einen unverbindlichen Einblick in eine Sportart.


Die meisten Sportangebote der Vereine werden über das Sportförderungswerk des Bundes, Jugend und Sport (J+S), finanziell unterstützt. J+S subventioniert Sport mit Jugendlichen im Alter von zehn bis zwanzig Jahren. Mehr als 884000 Jugendliche nutzen die Angebote von J+S. In verschiedenen Kantonen, so etwa in Graubünden und Baselland, werden die Sieben- bis Neunjährigen im gleichen Rahmen wie bei Jugend und Sport gefördert.

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Schnuppern erlaubt

Einige Sportämter organisieren jährlich in Zusammenarbeit mit Sportverbänden und -vereinen Lager für Kinder und Jugendliche. Das Sportamt Graubünden beispielsweise führt dieses Jahr 22 Lager in den Sportarten Fussball, Bergsteigen, Windsurfen, Segeln, Kanu, Eishockey, Tennis, Mountainbike, Judo und Sportklettern durch. Sportlager bieten Kindern die Möglichkeit, die eigenen Neigungen herauszufinden. «Ich möchte zuerst einmal verschiedene Sportarten kennen lernen, die mich interessieren», sagt etwa die achtjährige Manuela. «Erst danach will ich mich entscheiden, ob ich diesen Sport im Verein machen möchte.» Diese Haltung ist typisch für die meisten Kinder. Ein Wechsel der Sportart kommt laut einer deutschen Studie immer häufiger vor. Lager sind für Kinder und Jugendliche eine einmalige Chance, Sportarten kennen zu lernen. Erkundigen Sie sich bei den kantonalen Sportämtern.

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Das Einstiegsalter variiert je nach Sportart. In fast allen von Jugend und Sport unterstützten Sportarten werden Kurse angeboten, die bereits für Sechsjährige geeignet sind. «Ich finde es wichtig, dass das Training für Kinder nicht zu monoton ist», sagt Urs Müller, Facharzt in der Sportschule Magglingen. Aus ärztlicher Sicht ist Sport im Kindesalter empfehlenswert – sofern dieser in normalem Mass betrieben wird (siehe hier). Ein gewichtiger Grund: Wer von klein auf Sport betreibt, wirkt präventiv gegen Ubergewicht. Von Maximalkraftsportarten rät Urs Müller allerdings entschieden ab: Bodybuilding etwa bezeichnet der Sportmediziner als ungeeignet für Kinder.


Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche Spass an ihrer Sportart haben. Es gibt immer wieder Negativbeispiele von hoch talentierten Nachwuchssportlern, die dem grossen Leistungsdruck nicht mehr gewachsen waren und den Bettel hinschmissen. Bei Problemen können auch Lehrerinnen und Lehrer im Schulsport oder im Verein um Rat gefragt werden.

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Nicht nur der Sport an sich, auch das kollegiale Zusammensein ist für Kinder eine wichtige Energiequelle. Und: Freunde im Sport können zu Freunden fürs Leben werden.

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