Budgetplanung

Eine Familie zu finanzieren ist kein Kinderspiel

Thinkstock Kollektion

Die Familie ist für viele die wichtigste Quelle des Lebensglücks. ­Damit keine Geldsorgen die Freude trüben, braucht es eine langfristige Budgetplanung.

von Nicole Zurbuchen

Die ersten Ferien der Kleinen am Meer, ihr fröhliches Geplapper im Kinderzimmer, ihr Jauchzen, wenn der Grossvater mit ihnen im Garten Fussball spielt – es gibt Augenblicke im Leben jeder Familie, in ­denen einfach alles stimmt und man vor Glück zu platzen glaubt.

Die Erfahrung, ein Kind grosszuziehen, ist unbezahlbar – die Rechnungen, die ins Haus flattern, wenn die Tochter stundenlang am ­Handy hängt oder eine Zahnspange benötigt, sind es manchmal leider auch. Kinder gehen ins Geld.

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So viel werden Sie ausgeben

Wenn der Sprössling seinen 20. Geburtstag ­feiert, haben seine Eltern im Schnitt 200'000 Franken für seinen Unterhalt ausgegeben. Eine schöne Summe, obwohl die Berechnung nur die direkten Kosten erfasst – also die Ausgaben für Kleider, Essen, Freizeitaktivitäten, Taschengeld und anderes. Gemäss der Studie «Kinderkosten in der Schweiz», die 2009 für das Bundesamt für Statistik erstellt wurde, fallen für das erste Kind durchschnittlich 819 Franken pro Monat an. Zwei Kinder kosten 1310 Franken und drei Kinder 1584 Franken.

Das sind Durchschnittswerte, die Kosten hängen vom Alter des Kindes ab. Die niedrigs­ten Ausgaben fallen bei einem Säugling an: Der gemeinnützige Verein Budgetberatung Schweiz rechnet mit 300 bis 400 Franken pro Monat. Je älter das Kind wird, desto höher werden die Beträge für Kleider, Schuhe, Essen und Freizeit. Ein sieben- bis zwölfjähriges Kind kommt seinen Eltern bereits auf monatlich 500 bis 650 Franken zu stehen. Die aufgelisteten Kosten gelten jeweils für das erste Kind, für jedes weitere Kind kann der Betrag um 100 bis 150 Franken reduziert werden.

Am teuersten sind 13- bis 18-jährige Jugendliche. In diesem Alter variieren die Unterhaltskosten aber stark – je nachdem, ob der Jugend­liche eine Lehre macht oder das Gymna­sium besucht. Als Richtlinie gibt Budgetberatung Schweiz 650 bis 800 Franken an. Laut den Verfassern der Studie «Kinderkosten in der Schweiz» müssen heute viele Eltern ihren Nachwuchs länger unterstützen als noch Ende der neunziger Jahre, da die Ausbildung länger dauert.

Höhere Betreuungskosten

Hinzu kommt, dass sich die Familienverhält­nisse verändert haben. Heute sind mehr Mütter als früher berufstätig oder haben ein höheres Arbeitspensum. Das bedeutet: Die Mütter bringen zwar mehr Geld nach Hause, dafür sind die ­Kinderbetreuungskosten höher.

In der Studie ­wurde das Einkommen von Müttern mit einem Kind mit jenem von kinderlosen Frauen ver­glichen (alle Studienteilnehmerinnen waren entweder verheiratet oder lebten mit ihrem Partner zusammen). Wenig überraschend: Mütter mit einem Kind hatten im Monat im Schnitt 1000 Franken weniger Einkommen als die kinderlosen Frauen, bei Müttern mit zwei Kindern waren es gar 1625 Franken weniger. Dabei hing die Höhe des Einkommens stark vom Alter des Kindes ab. Während Mütter mit einem Kind ­unter elf Jahren durchschnittlich 1320 Franken weniger verdienten als kinderlose Frauen, betrug die Differenz bei Müttern, die ein älteres Kind betreuten, nur noch 328 Franken.

Eine Familie zu gründen bedeutet für die meisten, dass sie mit einem tieferen Einkommen und höheren Ausgaben zurechtkommen müssen. Viele Sorgen erspart sich, wer frühzeitig, also vor der Familiengründung, Geld auf die hohe Kante legt, also zum Beispiel monatlich einen bestimmten Sparbetrag auf ein separates Konto überweist. Ratsam ist auch, so früh wie möglich in die ­dritte Säule investieren. Während der Familienphase liegt das häufig nicht mehr drin. Dabei sollte man ein flexibles Modell wählen, so dass die Zahlungen den finanziellen Möglichkeiten angepasst oder sogar über längere Zeit ganz eingestellt werden können.

Verschiedene Modelle durchgehen

Ist die gewünschte Schwangerschaft eingetreten, ist es sinnvoll, verschiedene Arbeitsmodelle durchzuspielen und ein detailliertes Budget aufzustellen. Wie verändert sich das Budget, wenn die Frau 20, 40 oder 60 Prozent arbeitet? Wobei die Kinderbetreuungskosten selbstverständlich mit einbezogen werden müssen. Es lohnt sich, frühzeitig verschiedene Varianten zu prüfen: Krippe, Tagesfamilie, Grosseltern, ­gegenseitiges Kinderhüten mit Nachbarn. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Mann sein ­Pensum reduziert. Heute verdienen manche Frauen mehr als ihre Ehemänner, zudem würden viele Männer gern ­weniger arbeiten und einen Teil der Kin­der­betreuung übernehmen.

Doch so gut ein Paar auch für die Zukunft vorsorgt, manchmal ändern sich die Pläne, wenn das Baby da ist. Die Gefahr, dass ein niedrigeres Einkommen zu finanziellen Engpässen führt, kann man verringern, indem man die ­Fixkosten von Anfang an möglichst tief hält. Das heisst: zuerst ausrechnen, was mit einem wesentlich tieferen Einkommen noch drinliegt – bevor man eine grössere Wohnung sucht oder ein teures Familienauto least.

Klare Prioritäten setzen hilft

Wichtig ist, dass man ehrlich ist, wenn man das Budget erstellt: Nur so weiss man wirklich, wo man steht. Das Ziel eines Budgets ist es, dass am Schluss jedem bewusst ist, für was wie viel Geld ausgegeben werden kann. Es gilt, Prioritäten zu setzen: Was kann vernachlässigt werden, worauf möchte man eher nicht verzichten?

Eltern sollten mit ihren Kindern zudem offen über Geldfragen reden. So lernen Kinder, wie man sich durch Sparen Wünsche erfüllt, wie man Preise vergleicht und auf Aktionen achtet. Damit man nicht in Versuchung gerät, den gesamten Lohn bis Ende Monat auszugeben, ist es ratsam, ein Konto für Rückstellungen zu eröffnen. Darauf lässt man monatlich einen bestimmten Betrag für Arztkosten, für Anschaffungen wie ein neues Kindervelo oder einfach für Unvorhergesehenes überweisen.

Familien, die knapp bei Kasse sind, finden im Internet eine grosse Auswahl an Spartipps. Es lohnt sich, Krankenkassen- und Versicherungsprämien zum Beispiel auf www.comparis.ch zu ver­gleichen. Oft sind banale Ratschläge die effektivsten: Kleider, Velos, Skiausrüstung und anderes kann man günstig bei Kinderbörsen, in ­Secondhandläden und anderen Geschäften kaufen, mieten oder im Internet ersteigern. Viel Geld spart, wer Kleider im Ausverkauf ersteht und bei Lebensmitteln auf Aktionen achtet und meist teure Fertigprodukte meidet.

Wichtiger als Geld sind gute Ideen

Klar, manche Dinge liegen bei einem kleinen Einkommen schlichtweg nicht drin – die Geldknappheit soll nicht schöngeredet werden. Trotzdem können Eltern ihren Kindern auch mit wenig Geld viel bieten: Fussballspiele auf dem Pausenplatz, Schlittelnachmittage, Wanderungen in der Natur, Bastel- oder Spielnachmittage mit Freunden oder Cervelatbraten im Wald, was zu jeder Jahreszeit Spass macht. Die Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen, ist wertvoller als ­alles, was man kaufen kann.

Tabelle: Beispiele für Familienbudgets

Jede Familie weiss, wie hoch ihre Wohnungsmiete ist. Die Kosten für Lebensmittel, Kleider und Freizeit können die meisten aber nur grob schätzen. Ein Budget hilft, sich einen besseren Überblick über die Finanzen zu verschaffen. Um Familien mit ein oder zwei Kindern ­eine Orientierungshilfe zu bieten, hat Budgetberatung Schweiz Musterbudgets erstellt ­(siehe Tabelle). Manche ­Ausgaben sind stark einkommensabhängig: Verdient eine Familie mit einem Kind 4500 Franken, sollte sie nach Möglichkeit nicht mehr als 1150 Franken fürs Wohnen ausgeben. Bei einem Verdienst von 8000 Franken liegen hingegen rund 2000 Franken drin.

Wer sein Budget ehrlich ­erstellt, dürfte einige Überraschungen erleben – und auch Sparmöglichkeiten entdecken. Eine Ausgabe, die viele massiv unterschätzen, sind die Autokosten. Das Merkblatt von Budgetberatung Schweiz «Auch mein Auto hat ein Budget» öffnet manchem die Augen. Schon ein günstiger Klein­wagen kommt auf rund 500 Franken im Monat zu stehen, ein Mittelklasse­wagen auf 700 bis 900 Franken. Denn zu den Kos­ten müssen unter anderem die Amortisation, der Garagenplatz und die Reparaturen gezählt werden.

Überraschend dürfte es für viele ­Familien sein, zu hören, wie teuer der Unterhalt ihrer Haustiere ist. Pro Katze rechnet man mit monatlichen Kosten von 65 bis 100 Franken ­(Futter, Katzenstreu und Tierarzt­kosten), für ­einen Hund – je nach Grösse – mit 80 bis 160 Franken (Futter und ­Tierarztkosten).

*Individuelle Prämienverbilligung nicht einberechnet; ein allfälliger Anspruch entlastet das Budget.

**Nahrungsmittel/Getränke für Jugendliche ab 12 Jahren: Betrag um 50 bis 100 Franken erhöhen. Nicht inbegriffen sind Kosten für Gäste und Alkoholika. Nebenkosten: Wasch- und Putzmittel, Körperpflege, Medikamente, Entsorgungskosten, Porti, tägliche Kleinigkeiten, Coiffeur fürs Kind.

Quelle: budgetberatung.ch

Anlaufstellen im Internet

  • www.budgetberatung.ch: ­Musterbudgets und Vorlagen für Familien, Alleinerziehende oder Einzel­personen zum ­Herunterladen
  • www.schulden.ch: Hilfreiche Tipps und Links wie Sie bei den Themen Krankenkasse, Telefonanschluss, Freizeit, Wohnen und vielen weiteren sparen können.

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Veröffentlicht am October 10, 2015