Ziemlich clever, dieser Max Ras. 1927 präsentierte sich sein neuer Schweizerischer Beobachter in jener Mischung aus deklarierter Bescheidenheit und kaum verhülltem Selbstbewusstsein, mit der man hierzulande selten falsch liegt - sollte die Zeitschrift des eingebürgerten Österreichers doch mehrheitsfähig sein. Erklärtes Ziel war, dass «weder das Blatt eine Sensation werde in den Familien, dass etwa die Köchin den Braten anbrennen lasse deswegen oder die Kuh zu früh kalbere, noch dass es etwa unbeachtet bleiben werde». Die letzte Gefahr bannte eine Auflage von 660'000, die gratis verteilt wurde - auf beides wies die Titelseite stolz hin.

Nutzwert und Klartext gehörten bereits zum Programm. Man werde sich bemühen, «Leute zur Sache sprechen zu lassen, die wirklich etwas davon verstehen». So erklärte ein Chemiker im Zweiseiter «Was sind Vitamine?», was sich hinter dem «neumodischen Wort» verbirgt. Der Text «Etwas über das Sparen» rechnete vor, wie auch kleine Beträge «zu einem respektablen Vermögeli anwachsen, wenn sie nur beharrlich in die Sparbüchse gelegt werden».

Und den Inserenten, wiewohl unverzichtbar für das Gratisblatt, gab man in einem «Mahnwort von grosser Bedeutung» gleich den Tarif durch: «Du musst Dir vor allen Dingen den Text gut und reiflich überlegen.» Denn ein schlechtes Inserat bringe zwar Erfolg, ein leidlich gutes aber noch mehr, «und ein einwandfreies Inserat im Beobachter bringt Dir einen Bomben-Erfolg!». Bescheidenheit ist eben nicht immer eine Zier.
 

 

Nr. 1 und Nr. 2 im Netz


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Quelle: Archiv
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