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SparenEin Urtrieb mit Spassfaktor

Schnäppchen da, Aktion dort: Wer sparsam einkauft, folgt einem Urtrieb. Doch Achtung: Das Sparen kann auch ins Geld gehen. Gerade Familien tun gut daran, sich eine ausgeklügelte Jäger- und Sammler-Strategie zuzulegen.

von und

Das Fünferpack Tortelloni mit Spargelfüllung ist Aktion, das Benzin im Nachbardorf fünf Rappen günstiger, die Miss-Sixty-Jeans um 20 Prozent reduziert. Das Herz des Schnäppchenjägers hüpft. Denn: «Erfolgreiches Sparen wird mit dem Ausschütten von Glückshormonen belohnt», erklärt Christian Fichter, Assistent am Psychologischen Institut der Universität Zürich mit Fachgebiet Sozial- und Wirtschaftspsychologie.

Doch das Glück kann von kurzer Dauer sein. Nicht alles, was billiger ist, schont das Familienbudget. Auch reduziert kostet die Markenjeans noch das Doppelte einer No-Name-Hose. Wenn von den Tortelloni zwei Packungen weggeworfen werden, weil mittlerweile das Haltbarkeitsdatum überschritten ist, war das eine teure Aktion. Und wer zehn Kilometer Auto fährt, um fünf Rappen günstiger zu tanken, rechnet schlecht: Bei einer 40-Liter-Tankfüllung liegt die Ersparnis bei zwei Franken, jeder Fahrkilometer kostet aber rund 60 Rappen, für zehn Kilometer also sechs Franken.

«Viele wursteln, haben das Gefühl, sparsam zu sein, sind es aber oft nicht », sagt Monika Göldi, Präsidentin der Organisation Budgetberatung Schweiz. Wenn eine Familie richtig und bewusst sparen wolle, müsse sie wissen, wo überhaupt Sparpotenzial drinliegt. Darum ist es unerlässlich, sich als Erstes eine Übersicht über die Finanzen zu verschaffen. Das heisst: während mindestens drei Monaten Belege sammeln, um alle Ausgaben fein säuberlich zu dokumentieren. «Das stinkt zwar den meisten», sagt Göldi, «gibt einem aber erst die Möglichkeit, die Zahlen mit Durchschnittswerten zu vergleichen.» Hat eine Familie ihr Sparpotenzial ausgerechnet, ist es wichtig, dass dieser Betrag bewusst auf die Seite gelegt wird - in ein Kässeli oder per Dauerauftrag auf ein separates Konto.

Vergleichbar mit Eichhörnchen



Klingt anstrengend. Doch das Jagen und Sammeln von Einsparmöglichkeiten kann auch Spass machen. Monika Göldi kennt beispielsweise Teenager, die sich eine Coiffeurschere gekauft haben und sich die Haare gegenseitig schneiden: «Die machen jeweils ein richtiges Happening daraus.» Sparen, so Christian Fichter, sei für den Menschen ein lustvolles Spiel mit einem evolutionspsychologischen Hintergrund: Ähnlich dem sammelwütigen Eichhörnchen wolle man für harte Zeiten gewappnet sein. Auch das Glücksgefühl, das sich nach einem Schnäppchenkauf einstellt, ist gemäss Fichter evolutionsbedingt: «Stapft das Mammut direkt vor der Höhle durch, wäre man ja blöd, wenn man es nicht erlegen würde.» Was einst der Speer war, ist heute das Portemonnaie oder die EC-Karte. «Das gute Gefühl dabei basiert auf dem Triumph, eine besondere Gelegenheit nicht verpasst zu haben», erklärt Christian Fichter.

Nur sollte man das Triumphieren nicht übertreiben. «Alle Tätigkeiten, bei denen es auch darum geht, sich selbst zu belohnen - wie das Sparen -, können zur Sucht werden», sagt Fichter. Und Göldi mahnt: «Sparen darf nicht so weit gehen, dass man sich sozial ausgrenzt.»

Richtig sparen will also gelernt sein: Im Folgenden einige Tipps, wo Familien im Alltag wirklich sparen können.

Im Verkehr

  • Car-Sharing: Ein Durchschnittsauto kostet pro Kilometer 50 bis 80 Rappen. Wer mit dem Auto weniger als 10000 Kilometer pro Jahr zurücklegt, fährt mit Car-Sharing günstiger. Infos www.mobility.ch.
  • SBB-Junior- und -Enkelkarte: Kinder zwischen 6 und 16 Jahren bezahlen in Bus und Bahn ein halbes Billett. Mit der Juniorkarte für 20 Franken pro Jahr fahren sie in Begleitung eines Elternteils gratis, ab dem dritten Kind kostet die Karte nichts. Die gleiche Regelung gilt für Grosseltern mit der Enkelkarte, die pro Jahr 60 Franken kostet. Infos unter www.sbb.ch.
  • Ökonomisch Auto fahren. Wer schnell hochschaltet und vorausschauend fährt, spart bis zu zehn Prozent Benzin. Weitere Sparpotenziale bieten das Abschalten der Klimaanlage auf kurzen Strecken, gut gepumpte Reifen und die Demontage von nicht gebrauchten Dachträgern. Infos unter www.eco-drive.ch.



Bei Ferien und Freizeit

  • Vergünstigungen: Reka bietet Ferienhäuser und -wohnungen zu günstigen Preisen an. Sparen kann man auch mit Reka-Checks, die unter anderem bei den SBB und Tankstellen wie Bargeld akzeptiert werden. Viele Firmen geben die Checks mit bis zu 20 Prozent Rabatt an Mitarbeiter ab. Coop-Supercard-Inhaber können sie mit drei Prozent Rabatt kaufen. Infos unter www.reka.ch.
  • Früh buchen: Familien, die ohnehin an feste Termine gebunden sind, können von Frühbuchungsrabatten profitieren. Wer in den Herbstferien günstig ans Mittelmeer reisen will, bucht die Unterkunft schon im Frühling via Internet direkt beim Anbieter. Grund: Die Zimmer sind dann zu Tiefsaisonpreisen zu haben - im Reisebüro hingegen wird mit Hochsaisontarifen gerechnet. Infos zum Beispiel unter www.ltur.ch oder www.lastminuteangebote.ch.
  • Feilschen: Bei schwacher Belegung sind Hoteliers oft bereit, Zimmer günstiger anzubieten. Wer nicht selber feilschen will, kann im Internet nach Schnäppchenpreisen suchen, zum Beispiel unter www.ebookers.ch



In Haushalt und Garten

  • Aktionen nutzen: Haltbare Produkte wie Teigwaren, Kaffee, Schokolade, Toilettenpapier, Katzenfutter oder Waschmittel sind immer wieder zu Aktionspreisen zu haben. Dann lohnt es sich, einen grossen Vorrat anzulegen.
  • Gezielt kaufen: Ein Einkaufszettel macht sich bezahlt, denn wer ohne loszieht, kauft meist mehr als nötig. Im Laden lohnt sich ein Blick in die unteren und oberen Gestelle, denn auf Augenhöhe stehen meist die teuersten Produkte.
  • Auffrischen statt neu kaufen: Oft lassen sich Möbel und teure Kleider mit wenig Aufwand wieder herrichten. Es gibt zum Beispiel Arbeitsintegrationsprojekte und Erwachsenenheime, die solche Arbeiten gerne und zu massvollen Tarifen ausführen.
  • Stromfresser eliminieren: Kaufen Sie konsequent Haushaltgeräte der Energieklassen A+ oder A++. Und schalten Sie PC, Fernseher oder Stereoanlage immer ganz ab, etwa über eine Steckerleiste mit Netzschalter. Viele Elektrizitätswerke vermieten Messgeräte, mit denen Stromfresser gefunden werden können. Infos unter www.energieeffizienz.ch, www.energybox.ch, www.topten.ch.
  • Mieten statt kaufen: Rasenmäher, Häcksler oder Dampfreiniger sind teuer und 99 Prozent der verfügbaren Zeit nicht in Betrieb. Kaufen Sie solche Geräte mit Nachbarn zusammen oder leihen Sie sie aus.
  • Ausverkauf: Wer Ende Saison einkauft, spart leicht einen Drittel bei Kleidern, Schuhen, Ski- und Snowboardausrüstungen et cetera. Das gilt auch für Fabrikläden (Outlet-Shops), im Internet zum Beispiel unter www.action-outlet.ch, www.fabrikladen.ch, www.fashionfish.ch.



Bei Kindersachen

  • Leihen statt kaufen: Bibliotheken bieten für wenig Geld Bücher, Filme und Musik auf DVD und CD sowie Märchenkassetten an. Spiele und Spielsachen kann man in der Ludothek ausleihen oder mit befreundeten Familien austauschen. Infos unter www.bibliothek.ch.
  • Gebraucht statt neu: Oft sind Freunde oder Verwandte bereit, nicht mehr benötigte Kindersitze, Sportgeräte oder Velos günstig zu verkaufen. Zu finden sind solche Artikel auch in Börsen, Brockenstuben oder im Internet zum Beispiel unter www.ricardo.ch, www.ebay.ch, www.fundgrueb.ch, www.wireltern.ch.
  • Abonnieren statt kaufen: Bis ein Kind ausgewachsen ist, benötigt es rund drei bis vier Wintersportausstattungen. Wenn Sie diese mieten oder ein spezielles Abo lösen, mit dem Skier oder Boards immer wieder gegen grössere Modelle getauscht werden können, sparen Sie viel Geld. Infos unter www.totalsport.ch.



Bei TV, Telefon, SMS und Computer

  • Satellit statt Kabel: Der Anschluss ans TV-Kabelnetz kostet rund 250 Franken pro Jahr. Eine günstige Alternative sind Satellitenantennen. Zusammen mit dem Empfangsgerät sind sie bereits für um die 300 Franken erhältlich. Achtung: Für jedes Radio und jeden Fernseher wird ein separates Empfangsgerät benötigt.
  • Telefonieren via Internet: Wer einen schnellen Internetanschluss hat, kann mit der passenden Software gratis von PC zu PC telefonieren. Das Gleiche gilt für SMS. Bei vielen Handyabo- und Mailanbietern kann eine bestimmte Anzahl SMS pro Monat via Internet gratis verschickt werden. Infos unter www.skype.ch, www.postmail.ch, http://de.msn.com.
  • Druckerpatronen nachfüllen: Original Tintenpatronen für Drucker sind sehr teuer. Wesentlich günstiger sind Patronen anderer Anbieter oder Nachfüllsets. Infos unter www.pelikan.ch, www.tintenprofi.ch, www.inkjet-sparadies.ch, www.pearl.ch.
  • Internet gemeinsam nutzen: Die Leistung eines ADSL-Abos für rund 50 Franken im Monat reicht für mehrere Computer. Wer sich das Abo mit den Nachbarn teilt, fährt günstiger. Achtung: Die Cablecom verbietet eine gemeinsame Nutzung. Infos unter www.adsl.ch.



Diverse weitere Sparmöglichkeiten

  • Pooling statt Einzellösung: Tun sich mehrere Kaufinteressenten zusammen, können sie oft bessere Konditionen aushandeln. Der Hauseigentümerverband Schweiz bietet beispielsweise dank Mengenrabatt günstige Hypotheken an: www.hev-schweiz.ch/Hypothekenpooling/. Und bei oelpooler.ch ist der Heizölpreis dank Grosseinkauf tiefer: www.oelpooler.ch.
  • Im Internet vergleichen, ersteigern, kaufen: Bei grösseren Anschaffungen lohnt sich ein Blick ins Internet. Sei es, um die Preise zu vergleichen, Occasionen zu finden oder in einem Onlineshop einzukaufen. Zum Beispiel unter www.ebay.ch, www.ricardo.ch, www.fundgrueb.ch, www.toppreise.ch, www.preissuchmaschine.ch.
  • Feilschen und Rabatte: Feilschen ist auch in der Schweiz möglich. Manch ein Händler ist mit Hinweis auf den günstigeren Preis bei der Konkurrenz zu einem Rabatt bereit. Bieten Sie Barzahlung an und lassen Sie sich dafür mit einem Abschlag belohnen.
  • Firmenrabatte nutzen: Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob Sie über ihn von Rabatten profitieren können, zum Beispiel beim Hauslieferanten von Bürogeräten oder mit einem Kollektivvertrag für Versicherungen.

Buchtipp

Ruth Hermann: «Mit Geld richtig umgehen. So haben Sie Ihre Finanzen im Griff» 3., aktualisierte Auflage, 2004, 96 Seiten, 19 CHF (für Beobachter-Abonnenten 16 CHF)

Veröffentlicht am 01. Juni 2006