Zement in einem verkrusteten Kübel von Hand mischen, mit einer verlotterten Schubkarre eine Tonne Steinbrocken heranschleppen, mit stumpfen Schaufeln ein Fundament ausbuddeln – und das unter freiem Himmel bei 35 Grad Hitze: Noch nie habe ich körperlich so geschuftet wie bei diesem viertägigen Einsatz im Nordosten von Tansania. Zusammen mit acht weiteren Schulkolleginnen und -kollegen aus Basel und Zürich half ich in Moshi am Fuss des Kilimandscharo beim Bau eines Klassenzimmers mit. Den rund 2000 Schulpflichtigen zwischen neun und 15 Jahren stehen jetzt 20 Räume zur Verfügung. Oft drängen sich bis zu 125 Schülerinnen und Schüler in ein Zimmer, notfalls kauern sie auf dem Boden.

Zieht man in Betracht, dass an dieser Schule weitere 26 Klassenzimmer sowie 400 Tische und Bänke fehlen, war unsere Aktion ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber wir haben immerhin einen Anstoss gegeben und gezeigt, dass wir Verantwortung übernehmen können. Mir war natürlich bewusst, wie privilegiert ich bin – und ich fragte mich, wie die Einheimischen uns Europäer wohl einschätzten. Möglicherweise dachten sie, da kommen unbedarfte Jugendliche aus einer heilen Welt und spielen sich als grosse Helfer auf. Die Skepsis könnte ich ihnen nicht einmal übel nehmen. Jedenfalls fühlte ich mich nicht immer wohl in meiner Haut, sondern kam mir vor wie ein Ausstellungsobjekt im Zoo: Irgendwie starrten wir uns gegenseitig an.

Alles andere als Plauschferien


Der selbst gewählte Hilfseinsatz steht an der International School Basel (ISB) auf dem Programm der Freiwilligenarbeit. Die ganze Reise bezahlte ich aus der eigenen Tasche. Das Geld verdiente ich mir mit Ferienjobs und mit Schwimmunterricht. Meine Eltern hatten am Anfang Bedenken, das seien reine Plauschferien inklusive Safari. Heute sind sie baff, was wir dort geleistet haben.

Auf das Abenteuer bereiteten wir uns intensiv vor. Als besonders aufwändig erwies sich die Sponsorensuche. Die 3000 Dollar von Novartis waren Gold wert. Ohne Geld wären wir auf der Strecke geblieben, wie sich gleich am ersten Tag herausstellte. Als wir morgens um neun Uhr auf dem Areal der Miembeni-Primarschule von Moshi eintrafen, wusste ausser dem Bauleiter, dem Fundi, niemand Bescheid über unser Projekt. Improvisation pur war angesagt. Bevor wir beginnen konnten, mussten wir Zementsäcke, Backsteine, neue Schaufeln und Handschuhe kaufen. Das war kein Problem. All diese Dinge kann man leicht auf den Strassen der 95000-Seelen-Stadt einkaufen.

Die schon bestehenden Schulzimmer waren wie Legoklötze aneinander gereiht. Wir übernahmen diese Bauweise und konnten auf diese Weise eine Mauer einsparen. Für die übrigen drei Wände hoben wir mühsam metertiefe Gräben aus und schütteten sie mit Zement zu.

Der Bau des Fussbodens war eine einzige Katastrophe. Insgesamt karrten wir eine Tonne Steinbrocken heran, legten sie aus und füllten die Zwischenräume mit Zement, damit eine glatte Oberfläche entstand. Dann schichteten wir sieben Reihen Backsteine aufeinander. Dazu stellten wir uns in eine Reihe und gaben Stück für Stück von Hand zu Hand weiter. Einige Kollegen versuchten vergeblich, die Steine allein zu heben. Das fuhr ihnen ganz schön in die Knochen.

Man kann sich kaum vorstellen, wie hart wir arbeiteten von morgens neun Uhr bis abends vier Uhr – mit nur einer Stunde Mittagspause. Ich half einmal zwei Wochen auf einem Bauernhof aus. Das war auch kein Honiglecken. Aber hier hätte ich es nie zwei Wochen lang ausgehalten. Am Abend fielen wir in der International School Moshi, wo wir untergebracht waren, wie gerädert ins Bett.

Am meisten schmerzten Hände und Arme. Wer Glück hatte und zu den Ersten gehörte, konnte sich unter der warmen Dusche etwas entspannen. Nachher war das Wasser kalt. Wir staunten über den Komfort des Internats mit eigener Wasser- und Stromversorgung. Verglichen mit der Miembeni-Primarschule in der Stadt, war das ein echtes Kontrastprogramm.

Viel Glück mit wenig Besitz


Mit den einheimischen Kindern und den Jugendlichen der Schule verständigten wir uns mit Händen und Füssen. Einige konnten ein paar Brocken Englisch wie «How are you?» oder «My name is…».

Für die Kleinen waren wir eine echte Attraktion. In der Pause spielten sie gern mit uns. Mich beeindruckte, mit wie wenig sie glücklich sind.

Hätten wir allerdings gewusst, dass die Tansanier auch Kleider wie Jacken und Mützen für den Winter brauchen, hätten wir zu Hause gesammelt. Die Menschen dort haben schon bei Temperaturen um die 30 Grad kalt.

Peinlich war mir einzig, als jugendliche Einheimische, die beim Bau dieses Klassenzimmers mithalfen, mich um Geld für ihre Ausbildung baten. Ich musste sie enttäuschen: Ich bin auch Schülerin und verdiene mir mein Taschengeld selber.

Mit unserem freiwilligen Einsatz haben wir eine gewisse Solidarität gezeigt – aber ich bin mir bewusst, dass wir uns noch stärker engagieren sollten. Von den Menschen in Moshi habe ich viel gelernt. Sie haben mir vorgelebt, was Glücklichsein bedeutet: Nicht das Geld zählt, sondern die inneren Werte. So gesehen sind die Menschen in Tansania reich.

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