Die gute Nachricht zuerst: Verletzte gab es keine. Keine Selbstverständlichkeit in Anbetracht des regen Einsatzes von Scheren und Sackmessern. Fazit der Testfamilie: Viele Spielzeug- und verschweisste Hartplastikverpackungen generell nerven über Gebühr. Auch sonst ist das Gelingen oft Glücksache - hier die Highlights der mehrstündigen Auspackaktion.

Als Erste nahm Testerin Chantal den Warenkorb in Angriff. Butter auspacken - kein Problem für die Sechsjährige. Wieder einpacken gestaltete sich schwieriger. Allerdings scheiterten dabei auch die beiden Erwachsenen: Die Kunststofffolie erweist sich als äusserst renitent, wenn es darum geht, einen Knick zu halten.

Egal. Weiter gehts. Dass eine Sechsjährige ein Marmeladeglas nicht aufkriegt, erstaunt nicht weiter. Auch bei den Vitaminen im Kunststoffröhrchen gibt Chantal auf - nach vier Minuten und 17 Sekunden. Dass sie, übrigens keineswegs ein schwächliches Kind, beim Hüttenkäse scheitert, hätte aber niemand gedacht.

Jetzt gehts an die CD, auspacktechnisch Hassobjekt Nummer eins vieler Zeitgenossen. Wird die Jugend, werden gutes Augenlicht und zarte, geschickte Finger Chantal hier zum Vorteil gereichen? Nichts da. Zum ersten Mal verlangt die Testperson Werkzeug. Eine Schere wird organisiert. Nach zweieinhalb Minuten ists vollbracht, die silberne Scheibe liegt ausgepackt auf dem Tisch.

«Ha s Pfiili gfunde», verkündet Chantal stolz, während sie souverän und ohne die Folie zu zerreissen den Aufschnitt aus seinem Gefängnis befreit. Alles sofort essen oder umpacken, heisst es dann beim Apérogebäck und bei den Guetsli. Die Packungen sind eingerissen, und der zusätzliche Deckel bei den Flûtes spickt schon weg, wenn man die Verpackung nur anschaut. Chantal kann nichts dafür, Mami und Grosspapi wird es genauso ergehen.

Von wegen Kinderspiel
Endlich darf die Kleine an das Objekt ihrer Begierde: ein Set Plastikpferde samt Zubehör. Karton abreissen, Kleberli aufknübeln, und nach eineinhalb Minuten liegt der Inhalt auf dem Tisch. Allerdings mit Plastik, Gümmeli, Drähten und Klebstreifen wie für die Ewigkeit verbunden. Es quietscht und knarzt, während Chantal versucht, die Teile dem Plastikmoloch zu entreissen. Reissen reicht nicht. Nach fünf Minuten muss die Schere her.

Mit einer von der Aussicht auf neues Spielzeug genährten Engelsgeduld arbeitet sich Chantal durch die Materie. Nach elf Minuten die ersten Unmutsbekundungen. Nach 15 Minuten und 27 Sekunden: Forfait. Selbst mit Schere will sie nicht mehr. Opa Anton muss ran. Und an die Pièces de Résistance dieses Tests, die beiden Hartplastikpackungen, wagt sich Chantal nach diesen Erfahrungen erst gar nicht mehr. Derweil kämpft Mutter Jacqueline mit den von der Verpackungsindustrie gelegten Fallstricken. Als geübte Erwachsene schlägt sie sich natürlich besser als die Tochter. Dennoch: Die Guetslipackung reisst fast bis zum Anschlag ein, der Hüttenkäse sabbert, die Butter entwickelt ein Eigenleben, und beim wieder verschliessbaren Reibkäse reisst die (jetzt nicht mehr) verschliessbare Lasche ab. Besonders ärgert sich Jacqueline über die üppige Plastikpracht der Cailler-Verpackung. «Das isch voll dänäbet. Was söll das überhaupt?» Die leidigen Hartplastikpackungen entlocken der Fricktalerin ein «Mit Gwalt gaat alles», ein «Aua», ein «Jo hei» und schliesslich ein «Es Säckli hett au glanget». Ihre Zeit beim Kampf um die Plastikrössli (mit Schere): rekordverdächtige acht Minuten.Die schafft Opa Anton nicht: Er braucht zehn Minuten 13 Sekunden (mit Schweizer Messer und Schere). Die verschliessbare Packung des Babybel-Käses übersteht unter seiner Behandlung drei Durchgänge, dann ist die Folie eingerissen. Die CD hingegen hat er in 30 Sekunden - eines 13-jährigen «Tokio Hotel»-Fans würdig - ausgepackt. Auch die Konfi ist kein Problem, Herr Brogli ist ein Vertreter des starken Geschlechts. Was ihm weder bei der neuen noch bei der alten Vermicellespackung hilft: «Die Folie kriegt man ja gar nicht zu fassen, und dann reisst sie ein», moniert er. «Die Verpackung ist definitiv durchgefallen.» Auch er setzt bei den Hartplastikpackungen für Kabel und Speicherkarte nach der sanften Tour unter Stöhnen auf die altbewährte Methode: Gewalt.

Die grössten Ärgernisse

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Mami Jacqueline Brogli, 35
: «Das Rössli-Spielzeug. Der einzige Vorteil dieser Verpackung ist, dass man beim Kauf sieht, was drin ist. Ganz abgesehen vom unverhältnismässigen Materialaufwand, ist das Auspacken schlichtweg ein Horror - sogar mit einer Schere geht fast nichts. Für Kinder ist der Frust programmiert.»

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Opa Anton Brogli, 67
: «Am meisten ärgerten mich die beiden verschweissten Hartplastikpackungen, also das Kabel und die Speicherkarte. Solche Verpackungen kriegt man wirklich nur mit viel Gewaltanwendung auf, selbst eine Schere reicht dafür nicht aus.»

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Tochter Chantal Brogli, 6
: «Das Blödste war das Letzte (die Speicherkarte, Anmerkung der Redaktion). Das hätte ich sowieso nicht aufgekriegt.»

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