Einkaufen wird in den nächsten Wochen vielerorts ungemütlich: Wem grosses Gedränge, zerfledderte Auslagen, Warteschlangen an den Kassen und Körperkontakt mit Unbekannten nicht behagen, sollte Warenhäuser derzeit meiden. Denn jetzt reissen sich die Schnäppchenjäger im Sommerschlussverkauf um die besten Stücke - oder was sie dafür halten.

Herabgesetzt werden vor allem so genannte Saisonwaren - der Ausverkauf soll die Lager leeren und Platz machen fürs Weihnachtsgeschäft. «Seit Mitte Juni haben wir in einer ersten Phase einzelne Artikel um 30 bis 40 Prozent reduziert», sagt Werner Ammann, Geschäftsführer der Globus-Filiale im Glattzentrum in Wallisellen ZH. «Anfang Juli halbieren wir die Preise dann nochmals.»
 

Billige Lockvogelangebote

Besonders gross sei der Ansturm auf herabgesetzte Markenkleider, so Ammann. Allerdings können bei weitem nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten profitieren. Kleider in häufig gefragten Grössen sind seit längerer Zeit ausverkauft. Die Schnäppchen machen also für einmal vor allem jene Käufer, deren Körpermasse vom Durchschnitt abweichen. Globus reduzierte einzelne Stücke bereits im Mai. Allerdings diskret, weil es sich meist um Ladenhüter handelte.

Bei Migros hat der neunwöchige Ausverkauf am 21. Juni begonnen. Besonders beliebt bei der Kundschaft sind reduzierte Fernsehgeräte, Reisegepäck, Spielwaren, Rasenmäher, Klimageräte und Kinderkleider. Beim orangen Riesen werden die Preise in drei Etappen herabgesetzt. Gestartet wurde mit einer Reduktion von 50 Prozent bei den Saisonwaren. Manor wiederum reduziert die Preise ab Ende Juni während vier Wochen. Zuoberst auf der Kunden-Hitliste der beliebtesten Ausverkaufsartikel stehen dort Kleider, Heimtextilien und Haushaltwaren.

Um die Konsumenten so richtig in einen Kaufrausch zu versetzen, decken sich manche Anbieter für den Ausverkauf gezielt mit Billigwaren ein. Unter anderem die Migros. «Wir bieten im Ausverkauf
verstärkt preisgünstige Artikel an», sagt Mediensprecherin Monika Weibel. «Diese Angebote werden aber klar deklariert und nicht auf Ausverkaufsflächen präsentiert.»

Aktionsware dieser Art darf gemäss Preisbekanntgabeverordnung nicht mit durchgestrichenen Preisen und auch nicht mit Rabattzahlen angeboten werden - das wäre täuschend. Und reduzierte Angebote müssen genau angeschrieben sein. Schilder wie «bis zu 10 Prozent Rabatt» sind ungenau und irreführend. Nach den Vorschriften ist eine Preisermässigung genau anzugeben, zum Beispiel «20 Prozent auf alle Damenschuhe». Bei spezifizierten Angeboten gehören der Detailpreis und die Reduktion aufs Preisschild. Preisbewusste Kundinnen und Kunden müssen also genau hinsehen und gute Strategen sein. Ein kritischer Blick aufs Preisschild kann helfen, den Unterschied zwischen Ramsch und Preishit auszumachen. Wer nicht bereit ist, viel Zeit und Geduld aufzubringen, geht womöglich leer aus oder kauft das falsche Produkt.

Das Weihnachtsgeschäft läuft schon

Überhaupt ist die Jagd nach Schnäppchen schwieriger geworden, seit die amtliche Bewilligungspflicht für den Ausverkauf vor elf Jahren aufgehoben wurde. Im Gegensatz zu früher müssen sich Anbieter nicht mehr an vorgeschriebene Ausverkaufstermine halten. Die Folge ist eine Flut von Vergünstigungen fast das ganze Jahr über - mit dem Nachteil, dass die Konsumenten oft gar nicht wissen, wann die Preise in welchem Geschäft ins Trudeln kommen. Trotzdem sieht Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz auch Vorteile: «Durch die unterschiedlichen Starttermine stürmen nicht mehr alle am gleichen Morgen in die Geschäfte. Und der Druck auf die Anbieter steigt, möglichst frühzeitig mit dem Ausverkauf zu beginnen. Das erlaubt, die Sommergarderobe zu reduzierten Preisen einzukaufen.»

Wenns nun mit dem Sommerkleid zum sagenhaft günstigen Preis und in der richtigen Grösse doch nicht klappt, gibts auch andere Möglichkeiten, vom Schlussverkauf zu profitieren. «Unser Verkaufspersonal braucht im Sommerausverkauf sehr viel Geschenkpapier», sagt Werner Ammann von Globus. So mancher Kunde deckt sich in diesen Wochen mit Geschenken zu reduzierten Preisen ein und lässt diese auch gleich einpacken. Denn die nächste Weihnacht kommt bestimmt.

Quelle: G. Stoppel, Visum
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