Manch einer würde nicht lange fackeln, lägen da unversehens 80 Franken vor seinen Füssen: Er würde das Geld einstecken und sich schnell aus dem Staub machen. Nicht so Ruth Tschannen aus Oetwil am See ZH: Sie brachte die in der Migros in Stäfa ZH gefundenen Noten schnurstracks zum Kundendienst. Als sie nach ein paar Tagen nachfragte, erhielt die Frau eine Abfuhr: Weder sei das Geld abgeholt worden, noch erhalte sie einen Finderlohn, wurde ihr mitgeteilt.

Tatsächlich hält das Zivilgesetzbuch von 1907 fest, dass keinen Finderlohn verdient, wer verlorene Sachen in einem Gebäude entdeckt. Der Finder muss den Gegenstand dem «Hausherrn» abgeben, und der ist verpflichtet, ihn fünf Jahre aufzubewahren.

Auf Anfrage des Beobachters erklärte die Migros, die Banknoten seien im Safe verwahrt. Man kenne das Gesetz und sei sich bewusst, dass die Migros das Geld behalten darf, wenn der Verlierer sich nicht meldet. Gegenüber der ehrlichen Finderin wolle man sich aber erkenntlich zeigen.

Frau Tschannen durfte sich deshalb in der Migros-Filiale einen schönen Blumenstrauss aussuchen.