Technikterror: Der «intelligente» Haushalt
«Intelligent home» heisst das Zauberwort, das für die neuste Hardware-Aufrüstung des begrenzten menschlichen Verstandes steht. Sinnbild dafür ist etwa der «schlaue Kühlschrank», der selbständig Joghurts, Milch und Butter nachbestellt. Oder das Klo der Zukunft, das Urindiagnosen direkt an den Kühlschrank weiterleitet, der uns dann mit cholesterinarmer Kost schikaniert.

 

Bereits lieferbar: ein Kühlschrank mit Festplatte, Bildschirm und Web-Anschluss. Oder – wie an der Cebit präsentiert – ein Mikrowellenherd, mit dem man Bankgeschäfte online abwickeln, fernsehen oder der Geliebten eine E-Mail aufs Handy schicken kann.

Beobachter-Tip: Nehmen Sie das Telefonbuch, und bestellen Sie die Pizza beim Hauslieferdienst. Versuchen Sie anschliessend, die Nummer zu programmieren, damit sind Sie beschäftigt, bis die Pizza kommt.

 

 

Allfinanz: Kein Durchblick im Vorsorgedschungel
Seit der Deregulierung im Versicherungsmarkt 1995 wachsen das Bank- und das Versicherungsgeschäft immer enger zusammen. Die Folge dieser Bescherung: Die Zahl der Vorsorgeprodukte wächst rasant, und immer mehr Anbieter drängen ins Geschäft. Laut Schätzungen tummeln sich nebst den Versicherungs- und Bankaussendienstlern bereits rund 4000 bis 5000 freie Allfinanzberater auf dem Markt. Sie alle buhlen um die Normalverdienerinnen, die im wuchernden Vorsorgedschungel zunehmend die Nerven und die Ubersicht verlieren. Weil die Broker in der Regel von den Provisionen leben, suchen viele den schnellen Abschluss und versprechen den Kundinnen das Blaue vom Himmel – statt sie seriös zu beraten. Beobachter-Tip: Lassen Sie sich nicht von traumhaften Renditen blenden: Sie sind nie garantiert. Setzen Sie Ihre Sparziele selbst fest, und holen Sie Offerten ein. Ihre Ferien planen Sie ja auch nicht

Telefontarife: Preisschlacht um die Kunden
Es gibt eine Alternative zum Smalltalk übers Wetter: das Fachsimpeln über Telefonpreise. Seit der Liberalisierung (1998) befinden sich die Telefongebühren im Sturzflug. Das schmeichelt zwar dem Geldbeutel, bringt aber dessen Träger oft in Entscheidungsstress. Der Zeitaufwand für Gebührenvergleiche für Inland- und Auslandgespräche, Rückfragen und Anmeldung bei der neuen Telefongesellschaft ist immens, und der Spareffekt für Normalverbraucher – bei einer monatlichen Rechnung von 50 Franken rund 300 Franken pro Jahr – ist eher bescheiden. Schnäppchenjägerinnen, die Zeitaufwand dennoch nicht scheuen, orientieren sich am schnellsten via Internet – etwa bei den Online-Preisfahndern von www.comparis.ch, www.teltax.ch, www. taxinfo.ch oder www.frc.ch. Beobachter-Tip: Abwarten. Der «Gebührenkrieg» führt bei Ihrem Anbieter automatisch zu Preisreduktionen – nutzen Sie die gesparte Zeit für
einen Waldspaziergang. Vielleicht sind die Preise danach bereits billiger.

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Hotlines: Gebühren zahlen für jede Auskunft
Das lukrative Nebengeschäft mit der Uberforderung des Konsumenten ist vor allem in der Computerbranche weit verbreitet: Wer mit dem neuen Drucker nicht zurechtkommt oder Probleme mit der Internetsoftware hat, langt für die telefonische Pannenhilfe tief in die Tasche. Doch die Unart macht auch in anderen Branchen Schule. War der Gratisdienst an der Kundin einst Ehrensache, speisen heute immer mehr Firmen die Konsumenten über kostenpflichtige Telefondienste ab. Das Business mit dem heissen Draht boomt. Die Zahl der «Business Numbers» wächst jährlich um rund zehn Prozent. Für die Swisscom, die die Hotlineservices vermietet, eine willkommene Einnahmequelle: Die Exmonopolistin kassiert rund ein Viertel des Umsatzes der 157er-, 0900er- und 0901er-Nummern. Beobachter-Tip: Rufen Sie Ihren Händler via Hauptnummer an, und flirten Sie so lange mit dem Telefonisten, bis er Sie mit der gewünschten Fachkraft verbindet. Gelingt das, interessiert Sie Ihr Computer sowieso nicht mehr.

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Gesundheitskosten: Kein Ende der Spirale
Dank dem Wettbewerb unter den Krankenkassen und Spitälern würde die Kostensteigerung im Gesundheitssystem gedämpft und die Solidarität zwischen Jungen und Alten, Gesunden und Kranken wieder hergestellt, versprach der Bundesrat bei der Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes 1996. Von wegen. Die Kassen machen weiter Jagd auf «gute Risiken», die Grundversicherung verteuerte sich seit 1996 um 45 Prozent – und die Zusatzversicherungen sind für viele unbezahlbar geworden. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Denn nicht nur die Menge der medizinischen Leistungen steigt. Laut Statistik der Verbindung der Schweizer Ärzte drängten seit 1996 rund 1000 neue Ärztinnen und Ärzte auf den Markt – die Kosten tragen wiederum die Versicherten. Beobachter-Tip: Verzichten Sie auf teure Zusatzversicherungen. Wechseln Sie die Grundversicherung nur, wenn Ihre jetzige Prämie monatlich mehr als 20 Franken über der Minimalprämie der grössten 15 Kassen liegt.

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Beratung: Hier finden Sie Hilfe

  • Beobachter-Beratungsdienst, Telefon 01/448 78 78
  • Stiftung für Konsumentenschutz (SKS)
    Monbijoustrasse 61, Postfach, 3000 Bern 23,
    Telefon 031/370 24 24, Fax 031/372 00 27
  • Konsumentenforum Schweiz (KF)
    Grossmannstrasse 29, Postfach 294, 8037 Zürich
    Telefon 01/344 50 60, Fax 01/344 50 66
  • Ombudsmann der sozialen Krankenversicherung, Gebhard Eugster
    Morgartenstrasse 9, 6003 Luzern,
    Telefon 041/210 70 55, Fax 041/210 71 44
  • Schweizerischer Banken-Ombudsmann, Hanspeter Häni
    Schweizergasse 21, Postfach 8021 Zürich
    Telefon 01/213 14 50, Fax 01/210 37 20
  • Schweizerischer Versicherungsverband, C.F.-Meyer-Strasse 14, 8002 Zürich
    Telefon 01/208 28 28, Fax 01/208 28 00

Literatur

  • Günter Ropohl: «Allgemeine Technologie. Eine Systemtheorie der Technik»
    Hanser, München/Wien 1999, Fr. 77.70
  • David Bosshart: «Die Zukunft des Konsums. Wie leben wir morgen?»
    Econ, Düsseldorf/München 1997, Fr. 52.50
  • Regine Schneider: «Entdecken, was wirklich zählt. Das Konzept der neuen Bescheidenheit»
    Krüger, Frankfurt/Main 1998, Fr. 29.50
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