Der kahle Betonbau aus den späten siebziger Jahren strahlt die Gemütlichkeit eines Luftschutzbunkers aus. Ein Geruchsgemisch aus nasser Wolle, Schweiss und altem Frittieröl quält die von frischer Bergluft verwöhnte Nase. Die Schlange am Buffet ist länger als die am Skilift. Und statt eines Lächelns erntet der naiv um einen Kindersirup bittende Gast ein barsches «Hämmer nöd». So oder ähnlich stellen sich viele den Besuch eines Selbstbedienungsrestaurants in einem Skigebiet vor. Doch was früher zumindest teilweise Gültigkeit hatte, scheint Vergangenheit: Was der Beobachter in den unter die Lupe genommenen Skihütten zwischen Weihnachten und Neujahr vorfand, war weitgehend erfreulich.

Beobachter-Mitarbeiter haben zwölf der beliebtesten Skigebiete besucht und dabei je das grösste Selbstbedienungsrestaurant oder - wo nicht vorhanden - das grösste bediente Lokal auf Herz und Nieren geprüft. Untersucht wurden die Kategorien Ambiente, Essen, Getränke, Kinderfreundlichkeit und Sanitäres. Der Test brachte in mancher Hinsicht Erstaunliches zutage: Absoluter Verlierer ist die Engadiner Nobeldestination St. Moritz. Nur die Hälfte der möglichen Punkte verbuchte das Selfservice-Restaurant Bütschella des Betreibers Mathis Food Affairs: mässig freundliches Personal, enge Bestuhlung, kein Angebot für Kinder, lange Wartezeiten, überteuerte Speisen - kaum ein Vorurteil, das nicht bestätigt wurde. «Ich will es nicht schönreden, wir sind uns gewisser Mängel wohl bewusst. Der Bau ist nicht gerade der schönste, und die Abläufe sind einem grossen Andrang nicht immer gewachsen», sagt dazu Geschäftsführer Reto Mathis. «Aber beim ‹Bütschella› handelt es sich eben um Systemgastronomie, bei der es in erster Linie um das Bedürfnis Hunger geht, nicht um Gemütlichkeit. Alphüttenfeeling suchen Sie da vergeblich.» Zumindest in einem kann St. Moritz punkten: Gemessen an der Anzahl Sitzplätze, ist das Restaurant sehr grosszügig mit Toiletten ausgestattet.

Der Gewinner des Tests heisst Adelboden. Stolze 36 Punkte erreichte das Restaurant Sillere-Märit. 13 von 14 möglichen Punkten holte das Lokal in der Sparte Essen mit moderaten Preisen, null Wartezeit und reichhaltigen vegetarischen Menüs. Bei den Getränken räumte das Restaurant gar die maximale Punktzahl ab - dank besonders günstigen Preisen. Grundsätzlich gilt: Die Servicewüste Skirestaurant ist viel weniger wüst als oft angenommen. Die meisten Gaststätten erhielten vor allem hinsichtlich Freundlichkeit des Personals und Atmosphäre Höchstnoten. In der Pflege der zukünftigen Klientel, der Kinder, sowie in Sachen Gleichberechtigung weisen die meisten aber ein Defizit auf: Wickeltische sind, falls überhaupt vorhanden, fast nur auf den Damentoiletten zu finden.

>> Die gesamten Testresultate der zwölf Bergrestaurants (PDF, 820 KB)

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