Marcel Schmid fährt schwarz. Schon dreimal ist er in eine Billettkontrolle geraten. Nie hat er Geld oder Ausweise dabei. Freimütig gibt er dem Kontrolleur jeweils seine Personalien preis: Er weiss, dass er Rechnung und Zuschlag sowieso nicht bezahlen wird. Denn Marcel Schmid ist gar nicht Marcel Schmid, sondern ein ehemaliger Schulkollege, der unter falschem Namen schwarzfährt.

Der echte Marcel Schmid hat den Ärger. Regelmässig erhält er Rechnungen der SBB über 80 Franken. Jedes Mal muss er eine Ausweiskopie schicken, um zu belegen, dass ein anderer unter seinem Namen schwarzgefahren ist. Als ihm das nach dem dritten Mal zu bunt wird und er keine Kopie mehr schickt, übergibt die Bahn den Fall der Polizei. Schmid wird vorgeladen. Schliesslich wird der Betrüger entlarvt: Er hat sein eigenes Geburtsdatum angegeben.

«Die meisten solcher Fälle können wir aufdecken», sagt SBB-Sprecher Roland Binz. Denn der Betrüger müsse schon mehrere, sehr persönliche Daten seines Opfers kennen, um nicht aufzufliegen. Bei Marcel Schmid ist im SBB-Zentralcomputer sogar vermerkt: «Sofort Polizei beiziehen».

Dies erfährt der Kontrolleur aber nur, wenn er sich per Handy in den SBB-Zentralcomputer einklinkt. Was nicht immer passiert: Trotz des Vermerks schickte die Bahn Schmid kürzlich wieder eine Rechnung, weil er sein Generalabonnement (GA) vergessen habe. Dabei hätte der Kundendienst nur den Computer konsultieren müssen dann hätte er erfahren, dass Schmid gar kein GA besitzt.

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