Eines kann man der Kabelnetzbetreiberin Cablecom (früher Rediffusion) nicht anlasten: dass die beliebte Trickfilmserie «Simpsons» auf dem Schweizer Pro-7-Fenster nicht mehr zu sehen ist. Auch wenn in Leserbriefspalten seitenlang die Rückkehr der schrulligen Trickfilmfamilie gefordert wird: Die Kabelnetzbetreiber sind verpflichtet, das für die Schweiz bestimmte Programmfenster auszustrahlen und nicht etwa das (über Satellit erhältliche) Pro-7-Originalprogramm für Deutschland samt den «Simpsons».

Doch im Ubrigen hat die Cablecom, die die bewegten Bilder in gut die Hälfte aller verkabelten Haushalte in der Schweiz liefert, viel gemacht, um die Fernsehfreaks zu verärgern. Angefangen mit den häufigen Frequenzwechseln: Wann immer irgendein neues Programm aufgeschaltet wurde, musste eine ganze Reihe von Sendern den Programmplatz zügeln.

Preistreiberei ohne Ende
Jetzt droht neues Ungemach. Die teilweise veralteten Kabelnetze sollen nämlich auf Glasfasertechnik umgerüstet werden. Damit vergrössert sich erstens die Zahl der Radio- und TV-Kanäle. Zweitens wird das Netz für die neuen Medien tauglich – unter anderem für das Surfen im Internet, und zwar ohne Telefongebühren.

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Der Netzausbau hat aber seinen Preis: Rund eine Milliarde investiert die Cablecom – und erhöht im Gegenzug die Gebühren, was verharmlosend «Harmonisierung der bislang unterschiedlichen Tarifstrukturen» genannt wird. 24 Franken pro Anschluss und Monat verlangt die Cablecom neu. Samt Urheberrechtsabgaben und Mehrwertsteuer macht das fast 28 Franken. Für den Einzelnen ist das je nach Region bis zu dreimal mehr als bisher.

Als ob es damit nicht genug wäre, fordert die Cablecom auch noch einen Anteil an den monatlichen SRG-Konzessionsgebühren: Bestimmte Radio- und Fernsehprogramme zu übermitteln entspreche der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe, was bezahlt werden müsse, begründet Cablecom-Sprecher Ingo Buse die Forderung.

Einiges deutet darauf hin, dass die Reihe der schlechten Nachrichten weitergehen könnte. Die Cablecom, jetzt zu je einem Drittel im Besitz von Swisscom, Siemens und dem deutschen Mischkonzern Vebacom, soll nämlich verkauft werden. Verschiedene Investorengruppen, auch aus dem Ausland, hoffen auf den Zuschlag. Der Kaufpreis steigt fast wöchentlich. Logisch, dass der zukünftige Käufer die Milliardeninvestition so rasch wie möglich amortisieren will.

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Das ist aber gar nicht so einfach. Es ist durchaus möglich, dass die Cablecom zu spät kommt mit ihrem Hightechnetz: Wer im Internet surfen will, kann dies dank dem gnadenlosen Konkurrenzkampf der Telefongesellschaften nämlich auch übers herkömmliche Telefonnetz bald gratis tun. Das leistungsfähigere Cablecom-Netz wäre somit nur für Vielsurfer interessant.

Also werden die Cablecom-Käufer die Preise dort erhöhen, wo die Konsumenten mangels Alternativen kaum auswählen können: beim Fernsehempfang. Auf politischer Ebene will darum die SP den Verkauf der Cablecom verhindern – ein Erfolg der Vorstösse ist aber ungewiss.

Auch von anderer Seite kommt Kritik: «Das Angebot wird ausgeweitet, obwohl längst nicht alle das wollen», sagt Monika Sommer, die sich beim schweizerischen Hauseigentümerverband mit Kabelfernsehfragen beschäftigt. Und auch beim Preisüberwacher klärt man derzeit ab, «ob die Gebührenerhöhung gerechtfertigt ist», sagt Werner Martis Pressesprecher, Rudolf Lanz. Falls nicht, werde mit der Cablecom eine «einvernehmliche Lösung» gesucht. Nur wenn kein Kompromiss zustande kommt, kann der Preisüberwacher eine Preisreduktion verfügen.

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Der Vorteil der Dorfantenne
Doch vielen Fernsehinteressierten wird wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als die höheren Gebühren zu bezahlen. Das Aufstellen einer eigenen Satellitenschüssel ist jedenfalls kaum eine Alternative für all jene, denen schon das Umprogrammieren der TV-Geräte zu kompliziert ist. Ganz abgesehen davon, dass Bauvorschriften gar nicht überall solche Schüsseln gestatten.

Vielleicht ist die Beibehaltung der guten alten Gemeinschaftsantenne im Dorf die Lösung: Hilterfingen am Thunersee zum Beispiel erhielt wie andere Ortschaften von der Cablecom ein Kaufangebot für das gemeindeeigene Kabelnetz. Die Abklärungen dauern zwar noch an, aber schon jetzt scheint klar: Der Bau einer eigenen digitalen Kopfstation kommt die rund 1600 dortigen TV-Zuschauer auf lange Frist deutlich billiger zu stehen. Vermutlich guckt Cablecom also in die Röhre – zumindest in Hilterfingen.

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