Aldi und Lidl könnten die grössten Profiteure des Cassis-de-Dijon-Prinzips sein. Dieses besagt, dass ein in einem EU-Land vorschriftsgemäss hergestelltes Produkt in allen anderen EU-Ländern verkauft werden darf. Ab Juni gilt dies mit wenigen Einschränkungen auch für die Schweiz.

Aus einer Studie der Credit Suisse geht hervor, dass die deutschen Discounter den stärksten Nutzen daraus ziehen könnten. Ihre Konsumenten seien am ehesten bereit, auf Extras wie dreisprachige Beschriftungen zu verzichten. Zudem könnten die Billiganbieter ihre Eigenmarken ohne grossen Aufwand in die Schweiz einführen, halten die Detailhandelsexperten Marco Fuhrer und Martin Hotz in der Studie fest. Ob und wie sehr die Preise bei Aldi fallen werden, will der Discounter nicht sagen. Nur so viel: «Die meisten Produkte werden auch in Zukunft in drei Landessprachen beschriftet sein», sagt Sprecher Sven Bradke.

Wie viel billiger wirds?

Generell dämpfen die Autoren der Studie jedoch die grossen Erwartungen, die an die Einführung des neuen Systems geknüpft werden: Die Preise dürften im Lebensmittelbereich kaum im erwarteten Ausmass fallen. Zu viele Sonderregelungen, wie etwa die Beibehaltung der Herkunftsdeklaration, würden die Vorteile der neuen Bestimmung verhindern. Dies findet auch ein Grossteil der in der Studie befragten Detailhändler.

Für Konsumentenschützer hingegen ist klar: «Fallen die Preise nicht merklich, ist etwas faul», so Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Entweder würden die Händler die Preisvorteile an den Konsumenten vorbei in die eigene Tasche fliessen lassen. Oder das Fehlen eines Preisrutsches könnte auf verdeckte Absprachen hinweisen.

Wie sich das Cassis-de-Dijon-Prinzip auf die Preise auswirken wird, interessiert auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Es stellt derzeit einen Warenkorb aus verschiedenen Sparten – von Lebensmitteln bis Haushaltsgeräten – zusammen. Die Preise dieser Produkte sollen über mehrere Jahre beobachtet werden.