Lange schon vor dem Fest steht er in unzähligen Schaufenstern und Vorgärten, bis man ihn am Heiligen Abend eigentlich gar nicht mehr sehen mag: der Weihnachtsbaum. Dann jedoch gewinnt er seinen Zauber wieder wenn er zu Hause steht, in der Stube seinen feinen Tannenduft verströmt, die Kerzen sich in den glänzenden Kugeln spiegeln und es rundum still wird. Dann ist Weihnachten richtige Weihnachten.

Wen wundert es da, dass die Verkaufszahlen für künstliche Weihnachtsbäume auf tiefem Niveau stagnieren: Bei Coop machen sie gut fünf Prozent, bei der Migros 13 Prozent des gesamten Baumverkaufs aus. «Der natürliche Weihnachtsbaum verbreitet wohl immer noch am meisten «echte» Weihnachtsstimmung», stellt Karl Weisskopf von Coop Schweiz fest.

Eine Million Christbäume werden in der Schweiz jährlich verkauft. Davon stammen mehr als zwei Drittel, also etwa 600'000 bis 700'000 Tännchen, aus dem Ausland. Mit Abstand wichtigster Lieferant ist Dänemark: 1999 kamen knapp 70 Prozent der Bäume von dort. An zweiter Stelle steht Deutschland mit rund 15 Prozent; je sieben bis acht Prozent gelangten aus Frankreich und den Beneluxstaaten zu uns.

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Zunahme des Direktverkaufs

Während die ausländischen Bäume vorwiegend aus Grossplantagen kommen, stammen die inländischen von Baumschulen, Gärtnereien und Bauernbetrieben, die auch Bäume für den Weihnachtsmarkt ziehen. Nur wenige Schweizer Produzenten pflanzen Christbäume im grossen Stil an. In kleinen Mengen und lokal sind auch Bäume erhältlich, die im Rahmen der Waldpflege geschnitten werden. Zugenommen hat in den letzten Jahren der Direktverkauf durch Bauernbetriebe. «Die Umwälzungen in der Landwirtschaft haben manchen Bauern veranlasst, einen Teil seines Landes in Christbaumplantagen umzuwandeln, um sich so eine neue Einkommensquelle zu erschliessen», erläutert Anton Burkart von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. An manchen Orten könnten Käuferinnen und Käufer den Baum gleich selber in der Plantage auswählen und zusammen mit dem Bauern schneiden.

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Eine solch individuelle Christbaumlese stellt jedoch die Ausnahme dar. Denn rund 220'000 Tännchen, also praktisch jeden fünften Christbaum, verkaufen Coop und Migros. Daneben tauchen vor Weihnachten viele kleine Händler auf, die ihre Ware auf Plätzen, vor Geschäften und an gut besuchten Einkaufsorten anbieten.

Während sich gesamthaft die Zahl verkaufter Christbäume kaum verändert, haben die Importe gemäss Aussenhandelsstatistik seit 1996 um rund 20 Prozent zugenommen. Der Grund: Während früher Frau und Herr Schweizer hauptsächlich (einheimische) Rottannen und wenn es etwas edler sein sollte Weisstannen kauften, ist heute die (importierte) Nordmannstanne begehrt.

Topfbäume bedingt zu empfehlen

Der dekorative Baum mit seinem glänzend grünen Blätterkleid, der auch nach vielen warmen Tagen in der Stube seine Nadeln nicht fallen lässt, wird immer beliebter. Bei den Grossverteilern gehen inzwischen bereits 60 Prozent der Verkäufe auf das Konto dieser Tanne. Die hohe Nachfrage wirkt sich auch auf die Produktion aus. Diese sei in den letzten Jahren enorm ausgebaut worden, sagt Alois Loser, der zuständige Senior Product Manager beim Migros-Genossenschafts-Bund. Allerdings nur beschränkt in der Schweiz, deren Klima für die Nordmannstanne weniger günstig ist. Der Ausbau finde vorab in Dänemark statt; neue Produktionsgebiete gebe es auch in Irland und in Polen.

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Diese Entwicklung beisst sich mit ökologischen Ansprüchen und zwingt Konsumentinnen und Konsumenten, sich zu entscheiden: entweder eine hiesige Rottanne mit geringer Transportbelastung, aber mit dem Nachteil, dass die Nadeln nicht lange halten, oder eine edle Nordmannstanne mit umweltbelastenden Transportkilometern. Glücklich, wer einen der wenigen Produzenten kennt, die Schweizer Nordmannstannen anbieten.

Apropos Umwelt: Sind Topfbäume eine ökologische Alternative? Das hängt davon ab, wie sie gezogen wurden, meint Alois Loser. Bäume, die im Topf herangewachsen seien, hätten gute Chancen, in der freien Natur weiterzuleben. Allerdings darf man sie nicht zu lange in der warmen Stube behalten, weil sie sonst ausschlagen. Und wenn es draussen sehr kalt ist, sollte man sie auch zuerst an einen geschützten Ort stellen. Bäume hingegen, die vor Weihnachten im Feld gestochen und dann in die Töpfe gepresst werden, verkümmern, wenn sie ausgepflanzt werden. Ihr Wurzelwerk ist so beschädigt, dass sie nicht mehr genügend Wasser aufnehmen können.

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Frische hängt von der Lagerung ab

Ab Mitte November werden die Tannen geschnitten, wobei die inländischen Christbäume dank kürzeren Transportwegen tendenziell später geschlagen werden. Allerdings habe das Schnittdatum auf die Frische des Baums gar keinen so grossen Einfluss, meint Josef Kressibucher, einer der grössten Christbaumhändler und -produzenten in der Deutschschweiz. Viel entscheidender sei, wie der Baum zwischen Schneiden und Verkauf gelagert werde. Kressibucher etwa stellt die geschnittenen Bäume eng zusammen auf die Wiese. So behalten sie die Feuchtigkeit und können auch noch Nässe vom Boden aufziehen.

Sein Einkaufstipp lautet folgerichtig: Man bevorzuge Bäume, die auf feuchtem Boden angeboten werden. Wenn sie zu lange auf trockenem Untergrund stehen, leidet ihre Qualität.

Ansonsten ist für Laien nur schwer erkennbar, wie frisch ein Baum ist. Kressibucher empfiehlt, mit der Hand über den Ast zu fahren. Dabei sollten keine Nadeln abfallen. Ausserdem sollte der Baum dunkelgrün und glänzend sein.

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Die diesjährigen Preise, so die Auskunft grosser Anbieter, bewegen sich auf dem Vorjahresniveau. Dabei bestimmt nicht die Herkunft den Preis, sondern die Baumart und wie sich ein Baum konkret präsentiert: je grösser, schöner und dichter, umso teurer.

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