Normalerweise werden eingekaufte Waren einzeln an der Kasse erfasst. Nicht so in der Coop-Filiale Würenlingen AG. Dank Passabene darf dort der Einkauf selbst gescannt werden. Und zwar mit einem Walkman-grossen Gerät, mit dem sich während des Einkaufs die Waren registrieren lassen. Das soll Wartezeiten an der Kasse verkürzen, denn dort wird lediglich das Kästchen abgelesen.

Wer sich dafür interessiert, die Arbeit der Kassiererinnen selbst zu verrichten - und um nichts anderes handelt es sich dabei - sucht die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), die man bei der Anmeldung mit seiner Unterschrift akzeptiert, vor Ort allerdings vergeblich. Nur auf Nachfrage erhält man ein A4-Blatt mit dem Kleingedruckten. Dabei würde sich das Durchlesen lohnen, denn das Kleingedruckte hat es in sich.

So muss auch für Waren bezahlt werden, die gar nicht im Körbchen liegen, egal, ob ein Dritter versehentlich oder absichtlich ein Produkt entfernt hat oder ob einfach vergessen wurde, zurückgelegte Ware aus dem Scanner zu entfernen. «Coop lehnt jede Verantwortung ab, falls der Kunde Artikel bezahlt, die sich nicht in seinem Einkaufswagen befinden», heisst es lapidar in den AGB. Normalerweise hat der Anbieter dafür zu sorgen, dass der Kunde die Ware, für die er bezahlt, auch erhält.

Geheime AnstandsnotenDoch damit nicht genug. Coop teilt die Benutzer in so genannte Scanningsicherheitsstufen ein. Wer bei einer Stichprobe eine Differenz zwischen Scanner und Korb aufweist, wird heruntergestuft und in der Folge häufiger kontrolliert. Ebenfalls den Einkauf vorzeigen muss, wer sich am Regal häufig umentscheidet und deshalb viele Korrekturen im System aufweist.

Wie viele Misstrauensstufen es gibt und auf welcher man sich befindet, teilt Coop nicht mit. «Mit dieser Angabe könnte der Kunde sich ausrechnen, wann er mit der nächsten Kontrolle rechnen muss», so Elsbeth Kaufmann, Presseverantwortliche für die Nordostschweiz. Wer also von Coop keine geheime Anstandsnote verpasst kriegen will, verzichtet lieber auf Passabene. Immerhin sollen Interessenten in Zukunft wissen, was sie erwartet: «Dass die AGB nicht auflagen, ist ein Fehler, den wir umgehend korrigieren werden.»

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