Ob Digitalkamera, MP3-Player, Handy, Taschencomputer oder andere elektronische Kleingeräte: Sie alle setzen auf Speicherkarten, um sich Fotos, Musik und Texte zu merken. Der Vorteil dieser digitalen Gedächtnisse: Sie sind klein und leicht, können mehrere 10000 Mal wiederbeschrieben werden, behalten Daten auch ohne Stromversorgung – und sie werden bei steigender Leistungsfähigkeit immer günstiger. Der einzige Nachteil der Speicherzwerge gegenüber den analogen Vorgängerprodukten (Film, Tonband/MD/CD, Floppydisks) ist aber schwerwiegend: Die Hersteller wollen sich nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen.

Im Markt herrscht das totale Chaos


CompactFlash (CF), MicroDrive, Smartmedia, MultiMediaCard (MMC), Secure Digital (SD), xD-Picture Card und Memory Stick – mit mehr als einem halben Dutzend Speichertypen verwirrt der Markt die Konsumenten. Jeder Typ weist verschiedene Formfaktoren und Schnittstellen, aber auch Stärken und Schwächen auf. Beim Kauf eines Geräts ist es also ratsam, nebst Preis, Design und Funktionalität auch das verwendete digitale Gedächtnis zu berücksichtigen. Wichtigste Qualitätsmerkmale – je nach Anwendung unterschiedlich gewichtet – sind Tempo, Speicherkapazität, Stromverbrauch, Robustheit, Kompatibilität/Flexibilität und Preis.

Wie schnell Daten auf die Karte gespeichert werden können, ist vor allem bei Digitalkameras entscheidend. Die MMC ist ungeeignet, denn sie schreibt Daten vier- bis achtmal langsamer als die anderen Speicherkartentypen. Am schnellsten sind CF-, SD- und xD-Karten: Die Kamera ist mit ihnen am schnellsten bereit für das nächste Bild – zumindest in der Theorie. In der Praxis haben auch die verwendeten Endgeräte einen grossen Einfluss.

Die maximale Kapazität des Kartentyps ist bei MP3-Playern und Taschencomputern wichtig, denn je mehr Musik und Daten man darauf parken kann, desto unabhängiger ist man von einem PC als Datenquelle. Geräte mit Memory Stick (nicht Pro), Smartmedia oder MMC, die nie die Schallgrenze von einem Gigabyte erreichen werden (und deshalb Auslaufmodelle sind), sollte man deshalb meiden. Bei Digitalkameras spielt die maximale Speicherkapazität eine untergeordnete Rolle, da üblicherweise die Aufnahmen regelmässig auf den PC überspielt und die Speichermedien geleert werden. 128 Megabytes reichen immerhin zum Speichern von über 50 Bildern hoher Qualität (vier Megabits).

Der Stromverbrauch der Speicherkarten ist bei batterie- und akkubetriebenen Geräten wichtig. Vor allem CF, Smartmedia und – eingeschränkt – der Memory Stick Pro gelten als Energiesparer. Doch je nach Hersteller und Produkt sowie verwendetem Endgerät unterscheidet sich der reale Stromverbrauch in der Praxis enorm. Realistische Vergleiche können deshalb nur im Alltagsgebrauch gezogen werden.

Die meisten Karten sind gut geschützt


Speicherkarten sind Gebrauchsmaterial und müssen deshalb robust sein. Einen Fall aus grösserer Höhe oder den Transport in der Hosentasche sollten sie ohne Beschädigung überstehen. Smartmedia und MicroDrive scheiden da aus. Erstere ist sehr dünn und hat offen liegende Kontakte, weshalb sie anfällig auf Bruch und Kratzer ist; sie sollte in der Schutzhülle transportiert werden. In Letzterer steckt eine kleine, mechanische Festplatte, die grössere Erschütterungen und Stürze selten überlebt. Alle anderen Kartentypen werden dagegen von einem stabilen Gehäuse geschützt und weisen keine mechanischen Teile auf.

Am praktischsten ist es, wenn man in allen Geräten denselben Speicherkartentyp verwenden kann. Möglich ist dies jedoch nur für Enthusiasten mit Sony-Maschinenpark. Ob PC, Digicam, Camcorder, MP3-Player oder Clié-Handhelds: Alle Geräte des Unterhaltungsmultis arbeiten mit der selbst entwickelten Memory-Stick-Technologie. Die Daten können so bequem ausgetauscht werden. Bei den andern Herstellern indes sucht man meist vergebens nach einer Schnittstelle für die Sony-Sticks, und deren Leistungsdaten – insbesondere der alten Version ohne Zusatz Pro – sind nicht in jeder Disziplin konkurrenzfähig. Immerhin kann man mit Kartenlesern die diversen Kartenwelten verbinden (siehe «Kartenleser – einer für alle»).

CompactFlash hat die meisten Vorteile


Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten MicroDrives. Ein Megabyte Kapazität ist für unter 15 Rappen zu haben. Bei den nicht mechanischen Speicherkartentypen schwingen die etwas angestaubten Smartmedia und MMC mit Preisen ab 40 Rappen pro Megabyte obenauf. CF- und SD-Karten kosten ab 45 respektive 50 Rappen pro Megabyte, während die xD-Picture Card und der Memory Stick mit Preisen ab 60 respektive 80 Rappen pro Megabyte am teuersten sind (berechnet für 128/512-MB-Karten mit günstigsten Angeboten bei www.preissuchmaschine.ch).

Müsste aufgrund dieser Disziplinenwertung ein Mehrkampfsieger erkoren werden, wäre das die CompactFlash-Karte. Sie ist genügend schnell für alle Anwendungen, braucht wenig Strom, ist preisgünstig und in allen Varianten von 16 Megabyte bis zwei Gigabyte erhältlich. Die CompactFlash-Karte ist die meistverwendete Speicherkarte bei den elektronischen Kleingeräten. Echte Konkurrenz erwächst ihr jedoch mit der xD-Picture Card, die erst 2002 – und damit 14 Jahre nach der CF – lanciert wurde, sowie der Secure-Digital-Karte, die beim Preis-Leistungs-Verhältnis und bei Kompatibilität/Flexibilität stetig aufholen.

Weitere Infos


Radiosendung zum Thema: Ratgeber auf DRS 3, 4. Februar, 10.15 Uhr