Ob Schokolade, Käse oder Brot: Fast alle in der Schweiz hergestellten Nahrungsmittel enthalten zusätzliches Jod. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) lässt Speisesalz und Viehfutter mit jährlich drei Tonnen Jod anreichern (siehe Artikel zum Thema «Jodierung: ‹Von Amts wegen vergiftet›»). Erstmals verordnete der Staat die Jodierung vor gut 80 Jahren, um dem Kropf vorzubeugen. Mit Erfolg: Daran leidet heute niemand mehr.

Dafür klagen immer mehr Menschen über die Nebenwirkungen der übermässigen Jodierung, etwa über Herzrasen, chronische Entzündungen und Hungeranfälle. Die Selbsthilfegruppe «Jod macht krank» kämpft deshalb schon lange für jodfreie Grundnahrungsmittel und eine klare Deklaration.

Jetzt kann sie einen ersten Erfolg verbuchen: Das BAG hat entschieden, dass künstlich jodierte Lebensmittel auf der Verpackung gekennzeichnet werden müssen. «Die Konsumenten haben klar ein Anrecht darauf, zu wissen, was sie kaufen», erklärt Elisabeth Nellen-Regli von der Abteilung Lebensmittelsicherheit des BAG. Mit der Deklaration und mit Kontrollen durch die Kantonschemiker sei frühestens im Herbst zu rechnen. «Wir müssen der Industrie eine Übergangsfrist gewähren.»

Die BAG-Verantwortlichen widersetzten sich bisher der Deklaration, weil sie befürchteten, dass die Leute weniger jodierte Produkte kaufen und die Kropfprävention darunter leide. Erst erheblicher Druck der Selbsthilfegruppe führte laut Nellen zum Ziel. Deren Leiterin Doris Acklin erklärt: «Wir bezogen uns auf die Lebensmittelverordnung, die eine Deklaration klar vorschreibt.»

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