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Deplatzierte GeschenkeO Pannenbaum!

Geschenke können verletzen, beschämen oder gar beleidigen. Bild: Daniel Müller

Der Geschenkestress ruiniert vielen Menschen die Vorweihnachtszeit. Was kann man tun, damit das Fest etwas entspannter wird?

von Christoph Stokaraktualisiert am 2016 M09 21

So viel ist sicher: Die gute Absicht allein genügt nicht, wenn es ums Schenken geht. Denn die Sache steckt voller Fallstricke. So haben Untersuchungen gezeigt, dass eine Mehrzahl der Menschen Geschenke auswählt, die den anderen überraschen sollen. In der Annahme, dass das Unerwartete mehr Freude bereite als das explizit Gewünschte. ­Auf diese Weise soll die Botschaft mitschwingen, dass man weder Mühe noch Aufwand gescheut habe, um etwas vermeintlich Interessantes zu finden.

Tatsache ist aber auch, das zeigen dieselben Berichte, dass Beschenkte sich gar nicht überraschen lassen wollen. Der Enkel jedenfalls wird etwas blöd aus der Wäsche gucken, wenn er statt des Basel-Trikots eines vom FC Barce­lona erhält, nur weil der Klub besser Fussball spielt als der Schweizer Serienmeister.

Gerade bei Kindern ist es wichtig, dass man genau das kauft, was gewünscht wird. Sie freu­en sich schon lange darauf und haben eine schwierige Auswahl getroffen. Als Erwachsener muss man da vielleicht auch hin und wieder über den eigenen Schatten springen. Was aber nicht ­heisst, dass alles, was gewünscht wird, sich tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum vorfinden muss. Grosseltern oder Paten sollten zum Beispiel kein Spielzeug kaufen, das die Eltern des Kindes nicht goutieren. Ist es – vorderhand – noch ein barbiefreier Haushalt, sollte sich das auch am Weihnachtsabend nicht ändern.

Ursprung im römischen Sonnenkult

Ein Feiertag ist der 25. Dezember übrigens schon seit dem Jahr 336. Der römische Kaiser Aurelian hatte dieses Datum als Festtag für den Kult um «sol invictus», die unbesiegbare Sonne, festgelegt. Die Christen leiteten dies über zu «Christus, die wahre Sonne». Bis Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Geschenke dann am Sankt-Nikolaus-Tag getauscht. Erst 1535 regte Martin Luther an, dass das Interesse der Kinder statt auf die Heiligenverehrung auf den Festtag und Christus zu lenken sei.

Kann man auch beschliessen, sich nichts mehr zu schenken? Ja, man kann. Der Begründungen gäbe es: dass man den Konsumterror satt habe oder man bereits alles besitze. Es gibt jedoch kaum etwas Unromantischeres als Paare, die sich nichts schenken.

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Die gängigsten Tritte ins Fettnäpfchen

Die deplatzierten «Klassiker» für die Frau: Haushaltsgeräte und Küchenhelfer, Diät- und Fitnessbücher, Anti-Aging-Cremes, das Parfum der Verflossenen, Unterwäsche (ausser man kennt sich wirklich aus), Kleider, die zwei Nummern zu gross sind. Männer hingegen packen nicht gerne aus: Pantoffeln, Schmusemusik-CDs, Krawatten mit lustigen Motiven, Bücher über Massagetechniken oder andere Inhalte mit «versteckten» Botschaften. Geschenke können also beschämen, verletzen, von Gedankenlosigkeit zeugen oder sogar beleidigen. Sie stiften jedoch auch Gemeinschaft, drücken Achtung und emotionale Nähe aus.

Das sind die häufigsten Fragen zum Thema Schenken:

 

  • Darf man Geld schenken? Früher war das verpönt, heute ist es in Ordnung – bei nicht gleichberechtigten Beziehungen. Gerade Jugendliche, die auf ein Ziel hin sparen, freuen sich.
     
  • Wie ist es mit Gutscheinen? Sie machen Geldgeschenke etwas stilvoller. Problem: Zehn Prozent der Gutscheine werden gar nie eingelöst.
     
  • Was, wenn das Geschenk nicht gefällt? Dann sind Schauspielkünste gefragt! Nur bei sehr guten Bekannten und Freunden kann man taktvoll zu verstehen geben, dass es nicht so passt. Allgemein gilt: lieber lügen.
     
  • Gibt es unverfängliche Präsente? Wein, Pra­linen, Bücher aus der Bestsellerliste gehören ­dazu. Tipp: Wer einen Bezug zur beschenkten Person herstellen kann, punktet.
     
  • Gibt es zu teure Geschenke? Das ist der Fall, wenn es den Beschenkten beschämt oder die eigene finanzielle Schmerzgrenze übersteigt.
     
  • Darf man Dinge weiterverschenken? Ja, aber nur, wenn die Chance, dass der Schenkende davon erfährt, gegen null tendiert.