«Mein Arbeitgeber schickt mir jedes Jahr 60 bis 70 Pakete», sagt Noldi Gnädig vom Aargauer Verwaltungsgericht. «Muss ich alle selber bei der Poststelle abholen? Auch ich habe Anspruch auf den Service public!» Grund für die Verärgerung Gnädigs ist der Service der Poststelle Aarau 4. Seitdem das Wohnquartier Aarau-Telli besteht, gibts für einen Teil der Bewohner keine Hauszustellungen von Paketen und eingeschriebenen Briefen; stattdessen legen die Pöstler Abholscheine in die Briefkästen. Die Regelung gilt für knapp 1000 Wohnungen.

2002 machte Noldi Gnädig seinem Ärger Luft, indem er die Post schriftlich aufforderte, zu erklären, weshalb seine Päckchen nicht wie in der restlichen Schweiz nach Hause zugestellt würden. Gut zwei Wochen später bekam er eine Antwort. «Im Rahmen der Überbauung von Aarau-Telli vor über zehn Jahren wurde zwischen der Bauherrschaft und der Post vereinbart, dass auf die Hauszustellung der Pakete verzichtet wird», erklärte die Post. Dafür sei im Quartier eine eigene Poststelle eingerichtet worden, die nicht mehr als 600 Meter von allen Wohnhäusern entfernt sein soll. Für Gnädig, der am äusseren Rand des Quartiers lebt und kein Auto besitzt, eine unbefriedigende Erklärung. Er war Mitglied der Baukommission des Quartiers Telli. Von einer Vereinbarung zwischen der Bauherrschaft und der Post ist ihm nichts bekannt. Auch in den Grundbucheintragungen sei kein Hinweis darauf zu finden.

Der Papierkrieg ging weiter. Im Dezember 2003 wurde Gnädig um etwas Geduld gebeten, denn im Frühjahr 2004 sollten spezielle Briefkastenanlagen installiert werden, die den Gang zur Poststelle ersetzen sollten. Gnädig wartete.

«Kein Rechtsanspruch»



Das neue Jahr brach an – von den Briefkästen keine Spur. Im Juni 2004 erinnerte Gnädig die Post noch einmal an ihr Vorhaben. Wieder wurde er vertröstet. In den letzten Monaten seien die Postbox-Anlagen getestet worden, schrieb die Post. «Leider konnte das Gebiet Aarau-Telli für diesen Pilotbetrieb nicht berücksichtigt werden.» Noldi Gnädig hatte genug und wandte sich ans Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

Doch auch seine Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde über den Service public blieb erfolglos. «2004 wurde eine Bestimmung verabschiedet, die festhält, dass Hauszustellungen grundsätzlich dem Normalfall entsprechen sollen», erklärt Martin Kaiser vom Uvek. «Trotzdem haben Anwohner, die in der Vergangenheit keine Hauszustellungen empfangen haben, keinerlei Rechtsanspruch auf eine Änderung.» Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, sagt, es habe bisher nur in Einzelfällen Kritik an der Zustelllösung fürs Telli-Quartier gegeben. «Sollten die Verwaltung und eine Mehrzahl der Bewohner eine andere Zustellpraxis wünschen, ist die Post wie üblich gesprächsbereit», sagt Flüeler.

Solange dies nicht geschieht, bleiben Postbox-Anlagen die letzte Hoffnung für Noldi Gnädig. Aber ob sie überhaupt installiert werden, ist noch ungewiss. Gnädig muss bis auf weiteres seine Pakete selber schleppen – vorbei an einem offenbar anderweitig eingesetzten Lieferwagen der Poststelle mit der Aufschrift «Die Post bringt Pakete».

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