Wir waren nur noch auf der Suche nach Eimern», erinnert sich Lagerleiter Urban Alig an das Skilager der Primarschule Wädenswil vom letzten Februar in Splügen. Ein Grippevirus hatte gut 30 Personen flachgelegt. Die Lage verschlechterte sich plötzlich, Alig rief den Notarzt. Der kam und nahm sich der elf schlimmsten Fälle an.

Monate später stiess die Sache auch den Eltern betroffener Kinder, wie etwa Daniela Maret und Regula Höhn, sauer auf. Notarzt Nicolas Abril aus Andeer verrechnete zwischen 440 und 550 Franken – pro Kind! Für eine Behandlungszeit von «höchstens zehn Minuten pro Patient», wie sich Alig erinnert. Nach einer Stunde sei der Arzt wieder auf dem Heimweg gewesen.

Kein Verständnis für die Abrechnung zeigt Gion D. Deplazes, Präsident der Tarmed-Kommission vom Bündner Ärzteverein. Elfmal rechnete der Arzt 40 Minuten als reine Behandlungszeit ab. Wie er das innert einer Stunde hinkriegte? «Das widerspricht schlicht dem Einmaleins», ärgert sich Deplazes.

Weiter verrechnet Abril allen Patienten eine Wegentschädigung – ein klarer Missbrauch der neuen Tarmed-Bestimmungen. So kommt der emsige Arzt in einer Nacht auf einen Aufwand von 15 Stunden und 35 Minuten oder 85 Minuten pro Patient und elf Fahrten von Andeer nach Splügen oder 330 Kilometer. «Das ist nicht realistisch», beurteilt Deplazes.

Nicht Raffgier war das Motiv, die Buchhaltung habe versagt, gibt sich Abril reumütig. «Wir hatten grosse Probleme mit dem neuen Tarmed-Abrechnungssystem, aber ich korrigiere alles, was falsch ist.»