Beobachter: Was macht die perfekte Beratungssendung aus?
Jürg Keim: Am besten wird ein Beitrag, wenn der porträtierte Mensch natürlich herüberkommt und seine Geschichte das Publikum berührt. Zudem soll die Sendung den Zuschauern einen unmittelbaren Nutzwert bieten. Juristisch betrachtet, ist jene Problematik die beste, bei der wir ein klares Ergebnis herbeiführen können.

Beobachter: Wie viel davon lässt sich planen?
Jürg Keim: Wir haben ein recht klares Drehbuch. Doch was sich zwischen unseren Besuchen entwickelt und vor allem, wie die Geschichte ausgehen wird, können wir nur bedingt ­voraussehen. Da müssen wir auf Überraschungen aller Art gefasst sein und darauf ebenso spontan wie korrekt entscheiden. Das ist eine der grössten Herausforderungen bei Beobachter TV. 

Beobachter: Inzwischen haben Sie Fernsehroutine gewonnen. Was fällt Ihnen bei der vierten Staffel leichter als am Anfang?
Jürg Keim: Den deutlichsten Unterschied merke ich bei den Moderationen. Die sind flüssiger und variantenreicher geworden und auch schneller im Kasten. Da habe ich viel dazulernen können. Zudem hilft es mir, wenn wir inzwischen oft zwei Kameras verwenden statt einer einzigen wie zu Beginn. So kommen die Gespräche authentischer an; schliesslich bin ich kein Schauspieler, sondern in erster Linie Berater.

Beobachter: Sind Sie jetzt ein richtiger Promi?
Jürg Keim: Es kommt öfters vor, dass mich jemand ansieht und sagt: «Das Gesicht kenne ich … Beobachter TV?» Das freut mich – ich will ja nicht als Jürg Keim bekannt sein, sondern eben als Gesicht von Beobachter TV.

Beobachter: Was haben Sie aus der TV-Erfahrung gelernt?
Jürg Keim: Ich habe gemerkt, dass die erste persön­liche Begegnung mit den Menschen, die wir porträtieren, entscheidend ist. Früher machte jeweils der Regisseur den ersten Besuch, um wichtige Fragen zu klären. Inzwischen bin ich immer dabei, so entsteht von Anfang an mehr Vertrauen, das spürt man später beim Drehen deutlich.

Beobachter: Wo sehen Sie die grössten Vorteile von Beobachter TV?
Jürg Keim: Wir erzählen kein Blabla. Bei uns haben echte Menschen echte Probleme, und wir versuchen mit allen uns zur Verfügung ­stehenden Mitteln und mit dem ganzen Know-how des Beratungszentrums, dafür zu sorgen, dass diese Menschen sich wieder selber helfen können. Die Zuschauer erhalten auf diesem Weg auch konkrete Ratschläge, die ihnen in ihrer eigenen Si­tuation weiterhelfen können.

Beobachter: Was macht Ihnen am meisten Freude?
Jürg Keim: Der Hintergrund der Arbeit für Beobachter TV ist sinnvoll, wir können handfest helfen, wenn auch nicht in jedem Fall. Denn manchmal sind Lebenssituationen derart verfahren, dass selbst wir nicht weiter­kommen. Wir sind keine Zauberer. Doch unsere Sendung widerspiegelt die Realität. Und die ist leider nicht immer rosa.

Beobachter: Erhoffen sich die Menschen manchmal auch zu viel?
Jürg Keim: Viele haben extrem hohe Erwartungen, vor allem dann, wenn sie in einer ausweglosen Situation sind. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass ich beim ersten Treffen dabei bin. Hier muss man sehr transparent sein und klar kommunizieren, was wir können und was nicht.

Beobachter: Hören Sie später von den Menschen, die Sie beraten haben?
Jürg Keim: Das kommt vereinzelt vor. Grundsätzlich ist es aber unser Ziel, dass wir den Leuten die Mittel in die Hand geben, sich selber zu helfen. So gesehen ist jeder, der sich nicht mehr bei uns meldet, eigentlich ein Erfolg. Auf das arbeiten wir hin.

Anzeige

Beobachter TV

www.beobachtertv.ch