Ariana Kistler* aus Suhr ist stark sehbehindert. Wenn sie mit dem Bus fährt, kauft sie eine Mehrfahrtenkarte. Beim Entwerten verlässt sie sich auf das akustische Signal, weil sie keine andere Wahl hat. Nun wollen die Busbetriebe Aarau AG (BBA) 100 Franken Bussgeld von ihr – wegen Schwarz­fahrens.

An einem Dienstag im Mai steckt Kistler ihre Mehrfahrtenkarte wie gewohnt in den Automaten – es piepst. Sie glaubt, alles sei richtig abgelaufen. Was die 32-Jährige nicht weiss: Sie hat versehentlich eine alte Mehrfahrtenkarte eingesteckt, auf der kein Guthaben mehr ist. Die Kontrolleurin glaubt Kistler nicht. «Die Dame hat meine Frau als Schwarzfahrerin dargestellt und die Mehrfahrtenkarte zerrissen», empört sich ihr Mann, Damian Kistler*. Die Rechnung lässt nicht lange auf sich warten. Die Kistlers weigern sich zu zahlen. Sie schreiben einen Beschwerdebrief an die BBA, die dem Ehepaar daraufhin entgegenkommen. «In diesem Fall haben wir nach der Überprüfung festgestellt, dass die Frau tatsächlich benachteiligt war, und Kulanz gezeigt», sagt Mediensprecher Erwin Rosenast.

Kulanz heisst: Statt 100 Franken Busse wollen die BBA 30 Franken als Bearbeitungsgebühr. Damian Kistler zahlt auch diesen Betrag nicht: «Die ganze Situation kam mir sehr, sehr komisch vor. Beim Brief war zudem kein Einzahlungsschein dabei.» Es folgt die erste Mahnung. Plötzlich verlangen die Busbetriebe wieder 100 Franken. Auch darauf gehen die Kistlers nicht ein. Die BBA schicken weder eine weitere Mahnung noch eine Betreibung, sondern eröffnen Strafanzeige. Dieses Vorgehen werde schweizweit so angewendet, sagt Rosenast. Die Kistlers erheben gegen die Anzeige Einspruch bei der Staatsanwaltschaft. Die Antwort steht aus.

*Name geändert