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ChristbäumeZiemlich weit hergeholt

Rund eine Million Christbäume zieren bald die Schweizer Stuben. Unsere Förster haben nicht bemerkt, dass sich damit Geld verdienen liesse. Zwei Drittel der Bäume werden von weit her zu uns gekarrt.

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Die Schweiz ist ein waldreiches Land. Doch wer glaubt, sein frisch gekaufter Christbaum stamme von hier, täuscht sich höchstwahrscheinlich. Die Grossverteiler Migros und Coop etwa importieren 80 Prozent der Weihnachtsbäume aus dem Ausland. Landesweit sind es durchschnittlich 70 Prozent. Mit Abstand grösster Lieferant ist Dänemark, von wo jährlich eine halbe Million Nordmanntannen – die bevorzugten Christbäume – mit LKWs in unser Land gekarrt werden. Die «Alpeninitiative» hat berechnet, dass dafür mindestens 300'000 Lastwagenkilometer nötig sind – Rückfahrt nicht eingerechnet.

Das ist weder ökologisch sinnvoll noch billiger für den Kunden: Bei den Verkaufspreisen ist kein Unterschied auszumachen. Coop und Migros würden auch einheimische Bäume bevorzugen. «Doch leider ist das Angebot an Schweizer Nordmanntannen viel zu klein», sagt Coop-Sprecher Karl Weisskopf.

Warum das so ist, weiss Philipp Gut von der IG Suisse Christbaum: «Bis vor einigen Jahren wurde die Christbaumproduktion in der EU subventioniert. Da war der Anbau in der Schweiz nicht besonders lukrativ.» Jetzt könnte man damit wieder Geld verdienen, nur merken das die einheimischen Produzenten erst zögerlich. Weil Förster kaum Interesse an der Produktion von Nordmanntannen zeigen, springen inzwischen die Bauern in die Bresche: Praktisch alle der hiesigen Nordmanntannen wachsen auf dem Feld statt im Wald.

Wer ökologisch denkt, kauft besser einfach eine «ordinäre» Rottanne – die stammt ganz sicher aus einem Schweizer Wald.Stefan Bachmann

Veröffentlicht am 08. Dezember 2008