Ein Parkplatz wenige Meter nach der Grenze. Zwei Männer geben sich die Hand. Die beiden haben sich vor einer halben Stunde per Telefon verabredet: Der Schweizer bringt Euro, der Deutsche die Ware. Was nach Drogendeal klingt, ist seit einem Jahr Dutzende Male pro Tag zu beobachten – das Treffen von deutschen Pizzakurieren und hungrigen Schweizern auf einem Parkplatz in Konstanz.

Denn vor etwas über einem Jahr trat entlang der Schweizer Grenze ein Pizza-Embargo in Kraft. Kuriere aus Deutschland müssen seither das Essen verzollen. Das verunmöglicht die Lieferung: Während der knapp halbstündigen Wartezeit erkalten die Pizzas zu gummigen Teigfladen, nach Zollschluss am Abend ist die Grenze für Lieferungen dicht. Definitiv wurde das Verbot trotz Beschwerden: «Eine Pizza-Sonderlösung lässt sich nicht rechtfertigen», entschied der Berner Oberzolldirektor Rudolf Dietrich.

Erwartungsgemäss haben die deutschen Pizzabäcker unter dem neuen Regime gelitten. Sie beklagen einen Umsatzverlust von 30 bis 40 Prozent, die meisten mussten Mitarbeiter entlassen. Eine ungeahnte Aufwertung jedoch erfuhren die Parkplätze auf der deutschen Seite der Grenze: Sie wurden zu Umschlagplätzen.

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Die Tatorte ähneln sich auffällig

«Ein halbes Dutzend Kunden beliefern wir dort pro Tag», sagt etwa Salvatore Tassone von Pizza Tassone in Konstanz. Ali Rexhepaj, Geschäftsführer von Pizza Drive, konnte auf diesem Weg diverse Stammkunden behalten. Sogar mit dem Velo pedalen Kreuzlinger für günstiges Essen nach Konstanz. Nach der Übergabe können die Schweizer unbehelligt die Grenze passieren – das Essen bleibt zollfrei, falls das Kontingent für eine Privatperson nicht überschritten wird.

Mit einer Werbeaktion in Kreuzlingen versuchte der Konstanzer Tassone im Februar, mehr Schweizer zu ködern. Angebissen haben vor allem die Schweizer Shopper: «Nach dem Einkaufen in Konstanz holen sie vor dem Heimweg noch eine Pizza bei uns.»

In Kreuzlingen ist der Pizza-Parkplatz den Kurieren trotz gestiegenem Umsatz ein Dorn im Auge. «Man sieht oft, dass Schweizer dorthin fahren», sagt Butrint Pira, Geschäftsführer von Pizza Kurier Toni. Gegen die Ver­lockung der deutschen Billigware ­spreche vor allem die hiesige Qualität: «Seltsamerweise bestellen auch immer wieder Leute aus Konstanz bei uns», sagt Pira. Der Treffpunkt: ein Parkplatz in Kreuzlingen.

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