Energiekonzerne erhielten über Weihnachten nicht nur Strom geschenkt, sondern bekamen auch noch Geld, wenn sie Strom «kauften». Der Grund: Winterliche Tiefdruckgebiete bescherten norddeutschen Windkraftwerken viel Strom – bei schwacher Nachfrage, denn Industrie und Gewerbe ruhten. Für Betreiber von europäischen Kohle- und Atomkraftwerken war es aber billiger, die Kraftwerke weiterlaufen zu lassen als zu drosseln – das Stromangebot wuchs.

Der Kurs: Minus 200 Franken

Am 26. Dezember wars ganz verrückt: An der europäischen Strombörse in Leipzig kostete die Megawattstunde minus 200 Franken. Sprich: Pro Kilowattstunde, die ein Stromhändler bezog, erhielt er 20 Rappen.

Die Konsumenten haben nichts davon. Beim bernischen Energiekonzern BKW heisst es nur, die «Preisvorteile» seien an der Grenze wieder «kompensiert» worden. Sprecher Antonio Sommavilla: «Aufgrund der negativen Preise war die Importnachfrage entsprechend hoch.» Das heisst: Der Gratis-Strom, den Schweizer Stromkonzerne nutzten, um Wasser in die Speicherseen zu pumpen, verteuerte sich, da die grenzüberschreitenden Netze beschränkte Kapazitäten haben. Die Stromkonzerne trieben also die Auktionspreise für die Durchleitungsrechte selber in die Höhe.

Was bezahlten die Konzerne denn? «Der Strom wurde nicht zum Nulltarif bezogen», betont BKW-Sprecher Sommavilla. Bei der Axpo heisst es, nicht alle Geschäfte hätten «im Rahmen des von den Marktteilnehmern gewünschten Handels» umgesetzt werden können. Doch an der Grimsel liefen an diesen Tagen die Pumpen auf Volllast. Was zeigt, dass der Strom vielleicht nicht gratis, wohl aber zum Niedrigsttarif zu haben war.