Aktuell: Euroweb verliert Prozess

Euroweb hat nun in einem vergleichbaren Fall einen Prozess vor dem Landesgericht Düsseldorf verloren. «Es fehlt jeder deutliche Hinweis darauf, dass sich mit Abschluss des neuen Vertrags die Leistungen aus dem ursprünglichen Internet-System-Vertrag verlängern», hält der Richter in seinem Urteil fest. Das Vertragsformular sei unklar und mehrdeutig. Damit sei dem Kunden bewusst die Vertragsverlängerung verschleiert worden. Das Gericht kommt daher zum Schluss, dass der Vertrag für die Zusatzleistung den ursprünglichen Vertrag nicht verlängert hat.

In der Schweiz gibt es in dieser Sache bisher kein Urteil. Doch Marcus Nicolaus’ vierjähriger «Internet-System-Vertrag» läuft im Oktober aus. Dann wird sich zeigen, ob Euroweb auf der Vertragsverlängerung beharrt und gegen Nicolaus, der nicht zahlen will, gerichtlich vorgehen wird. Michael Krampf

Das erste Mal tappte Markus Nicolaus im Oktober 2010 in die Falle. Zwei Euroweb-Vertreter hatten ihm versprochen, für sein Physiotherapiezen­trum in Urdorf ZH kostenlos eine ­Website zu erstellen. Sie wollten diese angeblich als Referenz bei weiteren Kunden benutzen. Als der Physiotherapeut die Rechnung bekam, merkte er, dass man ihn übers Ohr gehauen hatte: Laut Vertrag musste er vier Jahre lang jeden Monat 398 Franken bezahlen, total also beinahe 20'000 Franken. Nicolaus dachte, er könne nichts dagegen tun, und zahlte.

Er tappt erneut in die Falle

Bevor die vier Jahre um waren, bekam er erneut Besuch von einem Euroweb-Vertreter. Der offerierte ihm für 236 Franken das «YourRate Starter»-Paket. Damit sollte Nicolaus’ Homepage von Suchmaschinen besonders leicht gefunden werden. Er unterschrieb.

Den noch laufenden Vertrag für die Website kündigte er fristgerecht im April 2014. Als er das Bestätigungsschreiben erhielt, merkte er, dass er erneut in die Falle getappt war. «Wir möchten Ihnen mitteilen, dass sich Ihr Ursprungsvertrag durch die Internet-System-Vereinbarung YourRate um 48 Monate verlängert hat», schrieb Euroweb und verwies auf das Kleingedruckte.

Nicolaus müsste in den nächsten vier Jahren weitere 20'000 Franken bezahlen. Damit würde ihn seine Website insgesamt 40'000 Franken kosten. «Ein Wucherpreis», sagt Thomas Grether von Websitemacher.net, der Nicolaus’ Website für den Beobachter be­urteilte: «Das ist eine Durchschnitts-Website. Die dürfte höchstens 6000 bis 9000 Franken kosten.»

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«Ich wurde getäuscht», sagt Nicolaus. Dieses Mal werde er nicht nachgeben. Doch das kann ungemütlich werden: Letztes Jahr gewann Euroweb einen Musterprozess gegen ­eine Coiffeuse, die ihre völlig überteuerte Homepage nicht bezahlen wollte.

Gemäss dem Bezirksgericht Zürich lag jedoch weder Übervorteilung noch Täuschung vor – die Frau musste schliesslich 6000 Franken bezahlen, damit sie endlich aus dem Vertrag aussteigen konnte.

«Behandelt alle Kunden gleich»

Ob Euroweb auch gegen Nicolaus gerichtlich vorgeht, ist unklar. Die Firma liess eine entsprechende Anfrage des Beobachters unbeantwortet.

Anders Rechtsanwalt Urs Rauber von der Zürcher Anwaltskanzlei Homburger, der Euroweb im Musterprozess vertreten hatte: «Euroweb behandelt alle Kunden gleich. Wo vertragliche Ansprüche bestehen, werden diese durchgesetzt. Dabei bemüht sich Euroweb um einen kulanten Umgang.»