Alexandra Kunz (Name geändert) wollte die ihr lästigen Körperhaare ein für alle Mal aus der Welt schaf-fen – per Laser. Im Internet stiess die Zürcherin auf ein Laserzentrum, das mit einer «Garantie für eine erfolgreiche Behandlung» warb. Kunz meldete sich an.

Was sie aber dort erlebte, lässt ihre verbliebenen Haare noch heute zu Berge stehen: «Eigentlich hätten bei mir schon während des Beratungsgesprächs die Alarmglocken läuten sollen, denn nach den Nebenwirkungen musste ich selber fragen.» Statt seriös über die Risiken aufzuklären, schwärmte ein «Berater» von der neuen Technik und ermunterte die dunkelhäutige Patientin, sich der Behandlung zu unterziehen. Die 23-Jährige bezahlte 990 Franken im Voraus und begab sich in die Hände des Laserarztes. «Es war eine schmerzhafte, mehrstündige Tortur.» Die hochenergetischen Strahlen der Blitzlampe erhitzten nicht nur die Haarwurzeln, sondern auch die Haut.

«Der Arzt wies jede Schuld von sich»
Als die Beine rot anschwollen, brach die Studentin die Behandlung ab. Zu Hause stellte sie Verbrennungen und Pigmentveränderungen an Beinen und Bikinizone fest. Das sei normal und heile ab, versicherte ihr das Institut – und riet, die Behandlung fortzusetzen. «Man erzählte mir, der Arzt hätte sich bei der Dosierung der Laserenergie verrechnet, der Fehler würde sich nicht wiederholen», erinnert sich Kunz.

Doch sie hatte genug, sie forderte das bereits bezahlte Geld zurück. Ohne Erfolg. «Der Arzt wies jede Schuld von sich und liess sich immer wieder verleugnen.» Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das Laserzentrum vor allem Lasergeräte verkauft, der «Berater» eigentlich Ingenieur ist und der behandelnde Arzt der kantonalen Ärztegesellschaft unbekannt ist.

«Behandlungsfehler können jedem passieren, auch mir», sagt Wolfgang Thürlimann. Der erfahrene Dermatologe arbeitet seit zehn Jahren mit Lasern und Lichtblitzgeräten. «Aber dann muss der Lasertherapeut dazu stehen und sich um die Patientin kümmern.»

Allzu oft seien Laser in nicht kompetenten Händen. «Ihre Handhabung ist heikel: Etwas zu lange auf der gleichen Stelle – und die Haut ist verbrannt», so der Spezialist. Thürlimann ist Mitglied der Laserkommission FMH, die vor einigen Jahren Fähigkeitsausweise eingeführt hat für Laseranwender. «Wir wollen die Qualität heben. Die Patienten sollen so besser überprüfen können, ob sich ein Arzt weitergebildet hat und ob er qualifiziert ist.»

Auch die Gesundheitskontrollbehörde Swissmedic hat auf die vielen unprofessionellen Behandlungen reagiert und im September letzten Jahres die Bestimmungen für die Anwendung von hochenergetischen Lasern verschärft. Laser der Klasse 3B und 4, also auch die Geräte, die für die Haarentfernung eingesetzt werden, dürfen neu nur noch unter ärztlicher Kontrolle verwendet werden.

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Narben nach schmerzhafter Prozedur
Nicht unter diese Bestimmungen fallen jedoch die Lichtblitzgeräte, wie sie in vielen Kosmetikpraxen zur Anwendung kommen. «Sie haben die gleichen Effekte wie Laser, im positiven wie auch im negativen Sinn», warnt Thürlimann. «Die Nebenwirkungen treten unvermittelt auf. Lichtblitzlampen gehören nur in die Hände von Profis.» Selbst Edith Roth vom Schweizerischen Fachverband für Kosmetikerinnen rät: «Suchen Sie sich einen in Laserbehandlung erfahrenen Dermatologen.»

Oft fehlt es an seriöser Aufklärung vor der Behandlung. Den Patienten wird viel zu viel versprochen, etwa dass die Haare dauerhaft entfernt werden. In Tat und Wahrheit wird der Haarwuchs nur reduziert. Der Behandlungserfolg hängt ausserdem stark vom Haut- und Haartyp der Patientin ab – und von der Anzahl Sitzungen. Am besten lassen sich dunkle Haare auf heller Haut weglasern. «Die Laserbehandlung ist nicht für alle geeignet; blonden oder rothaarigen Patienten rate ich ab. Ungünstig ist auch, wenn die Haare im Verhältnis zur Haut wenig Kontrast bieten», so Laserspezialist Thürlimann.

Seriöse Laser- oder Blitzlampenanwender nehmen sich Zeit, über die Risiken aufzuklären. Am besten lässt man sich Fotos zeigen vom Behandlungserfolg bei anderen Patienten. Noch besser ist, wenn eine Bekannte eine Praxis empfehlen kann.

Alexandra Kunz wird ihr Laserinstitut sicher nicht an Freunde weiterempfehlen: Auch ein Jahr nach der Behandlung erinnern sie die weissen Punkte und Narben an den Beinen an die schmerzhaften Stunden unter dem Lichtblitzgerät.

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